2017

“Orden

Prunksitzung der Schwarzen Elf:

Ungeschminkte Wahrheiten

Hauptsach g‘scheit neigeleucht“ – ein Schelm, wer da an Flüssiges denkt. Die Aktiven der Schwarzen Elf haben ihr Motto nämlich wörtlich genommen. Gleich zu Beginn haben sie „g‘scheit nei geleucht“. Der Raketenstart zur ersten Prunksitzung wurde in ein ganz besonderes Licht gesetzt.


Farbexpolosionen
Auf der Videowand hinter der Bühne gab es zum Einzug der Aktiven eine wahre Farbexplosion. Die Videowand mit 500 000 LEDs lieferte für jeden Auftritt den passenden Hintergrund.

Während die Stadtpfeiffer es zu Beginn noch „mit Gemütlichkeit“ probierten, zeigte die Garde der befreundeten Faschingsgesellschaft KoKaGe aus Wiesentheid gleich mal, was mit Tempo und Temperament so auf die Bühne zu zaubern ist.

Abschied vom gesunden Menschenverstand
Den ersten Tiefblick ins Weltgeschehen präsentierte der Hausmeister der Stadthalle (Helmuth Backhaus). Was war das für ein Jahr vom Brexit bis zur Queen, von Trump bis zum „Darm mit Charm“. Und dann erst die Trennungsgeschichten des Jahres. „Die Türkei trennt sich von der Demokratie, Polen von der Pressefreiheit und die USA vom gesunden Menschenverstand.“

Fernab von jeder politischen Anspielung kam ein völlig verzweifelter Schüler (Marco Breitenbach) auf die Bühne. Ein Tanzkurs muss sein, weiß die Mama und da gibt es kein Entfliehen und noch nicht einmal väterliche Unterstützung. Um ihren Nachwuchs muss sich die Schwarze Elf keine Sorgen machen; urkomisch, gesten- und mimikreich präsentierte das Nachwuchstalent seine „Tanzschule“.

Jetzt ist Schluss mit lustig
Aber die Antwort aus Sicht einer geplagten Mutter folgte fast auf dem Fuß. Schluss mit lustig, aus mit „Hotel Mama“, meinte Doris Paul in ihrer Bütt. Auch sie sprach wohl so mancher im Saal aus dem Herzen mit ihrer Feststellung: „Im Hotel Mama, glebt mers fei, willst du net beschäftigt sei.“

Viel Ohs und Ahs und so manches schreckhafte Zusammenzucken verursachten die Turner der Schwarzen Elf, die Kraft, Eleganz und Wagemut verbanden. Da warfen die Men in Black die Damen alias Aliens über die Bühne, dass einem angst werden konnte. Akrobatik vom Feinsten.

Herzerfrischenden Blödsinn präsentierten dann Manfred Göbel, Thomas Spath und Louis Majewski im Schwimmbecken der Faschingsgesellschaft. Der Beweis war geliefert, das köstliche Nass für Männer ist nicht immer nur das Bier. Was die Lichttechnik hinter der Bühne an die Leinwand zauberte, das brachten die Näherinnen der Schwarzen Elf in Natura auf die Bühne.

Grandiose Kostüme
Mit ihrer Kostümvielfalt sorgen sie dafür, dass drei Generationen von Turnern und Tänzern auch in einem völlig chaotischen Märchenwald grandios rüberkamen. In schnellem Wechseln tanzten Rumpelstilzchen, Dornröschen und Froschköniginnen über die Bühne. Mit großen Augen schauten gestiefelte Kater und sieben Zwerge ins Publikum und Rotkäppchen und Schneewittchen behängten sich mit ihren Schwiegermüttern.

Das Narrenschiff, die Jugend der Schwarzen Elf, zeigte, womit sie die meiste Erfahrung hat: die Kommunikation über und Gefahren durch das Smartphon. WhatsApp-Nachrichten mit Smilys aller Art auf der Leinwand untermalten ihre ironische Satire auf den Smartphon-Wahn. Von gruselig-schaurig bis zu gespenstisch-schön zeigte sich die Schautanzgruppe der KoKaGe, bevor Peter Kuhn, gewohnt ungeschminkt, die haarigen Tatsachen unserer Zeit zur Sprache brachte. Der „Maskenbildner“ ließ von frisierten Autos bis hin zu Populisten, die doch „zum Haare raufen“ seien, nichts aus. Von rechten Glatzen bis zu Visagen, die er nicht mehr sehen kann, ging sein Rundumschlag.

„Am Arsch vorbei führt auch ein Weg“
Jonas Paul vermittelte seine Studentenphilosophie sprechend und singend und schrieb dem begeisterten Publikum ins Stammbuch: „Am Arsch vorbei führt auch ein Weg“.

500 Jahre Reinheitsgebot, einschließlich der Geschichte des Bieres von der Bieroglyphen über die Bieramiden bis heute zeigte Fabian Wahler auf, bevor zahlreiche „pretty women“ die Bühne unsicher machten. Das Männerballett brachte die Fernsehserie „Der Bachelor“ auf die Bühne.

„Gell, die Stadt hat einen Plan gehabt?“, fragten sich Stasi und Blasi (Ludi Paul und Adi Schön) und konnten den weder in den Baustellen noch im Rathenau und erst recht nicht in der Sanierung der Maxbrücke finden. Nach elf gemeinsamen Jahren in der Bütt gaben die beiden ihren Abschied als Stasi und Blasi bekannt.

Die Sunnyboys vom Baggersee schließlich setzten den furiosen Schlusspunkt einer in jeder Richtung überaus gelungenen Sitzung.

© Ursula Lux
Quelle: Mainpost

 

 

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