“Orden

1970

„SPÄTLESE 69“

Die Schwarze Elf kredenzte Spitzengewächse „Spätlese 69“ - ein brillantes Karnevalsprogramm voll Witz und Geist und Gaudi in der Stadthalle geboten

Die „Strohhutsänger“ Erich Leser, Gerhard Friedrich, Dieter Popp und Ingbert Stahl glossierten mit Texten von Karlheinz Pfoh gekonnt das Zeitgeschehen. So würde sicher Franz-Josef Strauß „Überläufer“ von der FDP mit dem Lied begrüßen „Ihr schwarzen Zigeuner - ich will vergessen heut, was früher geschah!“.

Im Sketch „Professor Bierschaum vom Polytechnikum“ gab es herrliche Blödeleien, verbunden mit mimischen Glanzleistungen von Josef Ehrlitzer und Karlheinz Hennig als „Gast und Bedienung“.

Vor der Kulisse der Würzburger Residenz betrat Walter Zänglein als „Balthasar Neumann“ die Szene und bot eine Büttenrede von hohem Niveau. Allein die Beherrschung der termini technici des jeweils vertretenen Berufsstandes, seine Figuren und deren Verbindung zu aktuellem politischen Geschehen beherrschte Zänglein wohl wie kein zweiter. Verdienter Beifall auch für sein stilechtes, prächtiges Rokoko-Kostüm, geschneidert von seiner Frau Renate und die Requisiten von Alois Warmuth.

So mancher Profigarde die Schau leicht stehlen, konnte die SKF-Turn- und Tanzgruppe mit ihrem „Rittersleuttanz“.

Hermann Mai als „Deutscher Michel“ stocherte mit spitzer Zunge im Weltgeschehen herum. Scharf geschliffene Spitzen wurden nach allen Richtungen hin verschossen und trafen genau ins Schwarze. Er zeigte mit erhobenem Zeigefinger Missstände zum Thema Studenten, Pressekonzentration und Pornowelle auf.

Die SKF-Turner warteten mit einer Kraftsportparodie anno 1900 auf und verbanden dabei umwerfende Komik und turnerische Höchstleistungen.

Zum ersten Mal in der Bütt: Marlies Ehrlitzer, die das Los der „Frau eines Aktiven“ mit treffsicheren Pointen beklagte und so ihre Feuertaufe bestand.

Hubert Kirchner konnte mit seiner „Don Carlos-Pantomime“ ein weiteres Glanzlicht aufzeigen.

Zu einer Störung des Programms kam es, als die APO den Saal besetzte. Ungewaschene, vergammelte Gestalten, halbnackt und zerfranst, mit wüstem Haarschmuck stürmten den Saal mit Ho-Tschi-Minh-Geschrei. Es stellte sich aber heraus, dass keine Gefahr drohte, sondern der SKF-Freizeitchor zu einer seiner besten Darbietungen anhub.