2009

“Orden

„Mit 55 Jahren ist lange noch nicht Schluss!“

Die Schwarze Elf feiert ihren närrisch Runden mit zwei Ausstellungen und „explosivem Programm“

SCHWEINFURT · „Ruck zuck fünferfuchzich!“ - Die Schwarze Elf feiert einen närrisch runden Geburtstag, und weil die Gesellschaft auch mit 55 noch längst nicht alt aussehen will, lässt sie wieder jede Menge junger Hüpfer um die alten Hasen auf der Sitzungsbühne herum tollen.


Und noch ein Bonbon für Fastnachtsbegeisterte gibt es zum Jubiläum: Mit der Ausstellung „Fasching, Fastnacht, Karneval in der ehemaligen DDR“, die ab Freitag, 14. November, in der Halle Altes Rathaus zu sehen sein wird.

Im Auftrag des Bundes Deutscher Karneval wurde diese Wander-Ausstellung im Jahr 2007 vom Deutschen Fastnachtsmuseum in Kitzingen erstellt. Gezeigt werde etwa, dass eine Prüfung als „Volkskünstler“ habe ablegen müssen, wer als Narr auftreten wollte, erklärt der Schwarze-Elf-Sitzungspräsident Ludwig Paul. Aber selbst dann seien der „Narrenfreiheit“ strenge Grenzen gesetzt worden. Hans Driesel, Vorgänger von Ludwig Paul im Faschingsamt und heute Leiter des Fastnachtsmuseums, holte die Ausstellung jetzt nach Schweinfurt. Zeitgleich informiert die Schwarze Elf über ihre eigene Geschichte mit Exponaten, die in der Geschäftsstelle der Sparkasse am Roßmarkt gezeigt werden.

Für die Prunksitzungen in der Stadthalle versprechen die Kolpingnarren ihrem Publikum „ein Programm voller Kreativität, Impulsivität und Explosivität“, traditionell umrahmt von den Stadtpfeifern zu Beginn und den „Krachern“ der Sunnyboys zum Schluss der etwa fünfstündigen Veranstaltungen. Sehr zu hoffen sei deshalb, dass die Truppe der „Faschingsmuffel“ nicht die Hälfte aller Tische und Stühle im Saal aus dem Verkehr zieht, um sie auf Risse oder andere Schädigungen zu überprüfen. Denn die „Faschingsmuffel“ seien diesmal auf dem Bahnhof, „wo sie hoffentlich nicht zu spät ankommen“, ulkt Ludwig Paul.

Rockkonzert der Turner

Wieder dabei sind auch die Turner und das Männerballett. Erstere geben „beim Rockkonzert“ eine riesige Bühnenshow, komprimiert verpackt in eine Mut, Kraft, Ausdauer und höchste Geschicklichkeit fordernde Akrobatik-Nummer. Kathi und Michael Kitz zeichnen hier verantwortlich, während die Elfen mit den behaarten Beinen nach der Pfeife von Michaela Hillus und Sissi Steinert tanzen. Zurück in „die wilden 20er Jahre“ soll es dabei gehen, nicht mit der Wirtschaftskrise, aber mit Charleston, kurzen Röcken und umwerfendem „weiblichem“ Charme.

Erneut nach der Idee von Ingrid Klier verläuft der Auftritt der rund 80 Mitglieder aus der Tanzgruppe. „Feuer, Wasser, Erde und Luft“ sind deren Themen, wobei kleine und große Akteure aus vier Unter-Gruppen die Elemente durch ihre Kostüme, die Musik und die Art ihrer Tänze sichtbar machen. Natürlich hat die Schwarze Elf wieder einige Gast-Garden eingeladen. Aus der „Nachbarschaft“ kommt der Arnsteiner Karnevals-Verein, in anderen Sitzungen sind beispielsweise die Tanzsportgarde Veitshöchheim, die Buchnesia Nürnberg, die Damen aus Roth oder die „Coburger“ zu sehen.

Um Sport ebenso wie um die „Regenbogen“-Nachrichten geht es im boulevardmäßigen Jahresrückblick von Redner Helmuth Backhaus. Er will allerdings kein „Facility-Manager“ mehr sein. Das Wort „Manager“ sei viel zu schlecht besetzt, lässt Backhaus wissen, weshalb er wieder als einfacher kleiner „Hausmeister“ kommt. Den Jugendlichen Jonas Paul hat die Finanzkrise voll erwischt, weshalb er als Trompete und vielleicht auch Gitarre spielender „Straßenmusikant“ jeden Obulus der Gäste erwartet. Seine Mutter Doris Paul sieht sich derweil „auf der Messe“ um. Vom Gurkenhobel über Superkleber bis zum Wasserbett gibt es dort alles. Wer die Rednerin und ihre äußerst scharfe fränkische Zunge kennt, weiß, dass nichts unerwähnt bleiben wird, was schon längst gesagt werden muss.

Anzeichen einer Midlife-Crisis

Mit ersten Anzeichen der Midlife-Crisis hat Fabian Wahler zu kämpfen. Noch nicht der 55., aber immerhin der 30. Geburtstag steht bei ihm ins Haus. So fängt er schon einmal an, sich langsam eine Glatze wachsen zu lassen. Sein Publikum wird da sicher gut lachen haben, ähnlich wie beim Sketch-Auftritt von Manfred Göbel und Thomas Spath. Im vergangenen Jahr agierten sie erstmals zusammen, heuer treffen sich die beiden als „zwei Freunde“ im Friseur-Geschäft. Was da wohl herauskommt, wenn der Friseur einer aus dem Hunde-Salon ist?

„Stasi und Blasi“, das sind Ludwig Paul und Adi Schön, die wieder als Korrespondenten von „Schweinfurt und drumrum“ ihren Senf abgeben werden. An Vorlagen zum Spott mangelt es ihnen nicht, ebenso wenig wie Peter Kuhn. Er aber überlegt auch in diesem Fasching bis zuletzt, in welche Rolle er bei seinem Solo-Vortrag schlüpft. Schließlich will er so aktuell wie möglich sein.

Die neun Sitzungen finden in der Stadthalle jeweils am Freitag, Samstag und Sonntag statt, und zwar am 16., 17. und 18. Januar, am 23., 24. und 25. Januar, am 30. und 31. Januar sowie am 1. Februar. Beginn ist freitags und samstags jeweils um 20 Uhr, sonntags bereits um 18 Uhr. Ihre „Ein-Tritts-Preise“ muss die Schwarze Elf erstmals nach sieben Jahren erhöhen, dafür aber ist die Garderobe jetzt inklusive. 18 Euro kosten Plätze im vorderen Drittel des Saals, 15 Euro in der Mitte. 13 Euro zahlt man auf dem in der vergangenen Session neu gebauten und bestens angenommenen Podest hinten im Saal ebenso wie auf dem Balkon. Karten gibt es bei Gesellschaftspräsident Georg Hümpfer, Tel. (0 97 21) 45 98 6.

© Eva Landgraf Quelle: Volkszeitung Schweinfurt