2016

“Orden

„Wenn´s läfft, dann läfft´s“:

Rund 600 Besucher feierten in der Stadthalle den Faschingsauftakt der Schwarzen Elf

SCHWEINFURT · Wie ein Motor, der nach einem Jährchen Pause wieder gestartet wird, hat er am Anfang ein wenig geknattert, der Spaßmotor der Schwarzen Elf zum Auftakt der Kampagne 2015/2016. Spätetens mit dem klasse Auftritt der Turner unter ihrer neuen Leitung und im Wild-West-Style hatte Schweinfurts größte Faschingsgesellschaft ihr diesjähriges Motto „Wenn´s läfft, dann läfft´s“ aber wieder, wie versprochen, umgesetzt.



Dafür gab es standing ovations. Es „läfft“ wie geschmiert, die Rädchen griffen ineinander und die ca. 600 Besucher in der Stadthalle hatten ihren Spaß, nicht nur mit den fullminanten Auftritten der bekannten Lokalmatadoren, sondern auch mit den Gastauftritten der Garde vom TSG Veitshöchheim. Diese widmete sich inhaltlich unter anderem ihrem Fasnachtsmuseum.

Sitzungspräsident Ludi Paul gelang es recht rasch, die Zuschauer aus dem Winterschlaf zu wecken – der Fasching dieses Jahr startete ja ungewöhnlich früh: „Nach dem Rathaussturm haben wir mit unserer heutigen Sitzung den Fasching für Schweinfurt nun endgültig eingeleitet!“ Höhepunkt der Sitzung ist jedes Jahr die mit Spannung erwartete Rede von Büttenrednerstar Peter Kuhn, der sich diesmal im grauen Anzug der allgemeinen Wetterlage widmete und feststellte, dass das Klima in Europa frostiger wird. Von Russland ziehe eine Kaltfront über Ungarn und die Kälte spüre man auch an den Polen.

Klar, dass es bei dieser Rede mehr ums politische Klima, als um Wetterdaten ging. Seit der Fußball-WM herrsche über Deutschland das Hoch Angela, während in Bayern der Tornado Horst solange wüte, bis der Blitz einschlägt, meinte der Büttenredner. „Gut nur, dass er in Berlin immer abblitzt“, ergänzte der Oberwerrner Kuhn. Deutschland strahle dieser Tage viel Wärme aus, was das Handling der Flüchtlingsproblematik angeht. Im Osten sorge dies aber leider für eine braune oder dunkelrote Färbung. Über die SPD hingegen liege das „Tief Gabriel“, bekamen auch die Genossen ihr Fett ab. Ob Angelas Merkel „Wir schaffen das!“, sich tatsächlich erreichen lässt, ließ der Träger des Tills von Franken offen: „Wir müssen es aber jedenfalls versuchen!“

„Schweinfurt spielt dank der Schwarzen Elf in der Bundeliga“, lobte Stadtrat und Kunstvereinsvorsitzende Ralf Hofmann die Faschingsnarren der Kolpingsfamilie. Er wurde, neben der Kolpingdiözesanvorsitzenen Doro Schömig für seine Unterstützung des närrischen Treibens in Schweinfurt geehrt. In der Bundesliga spielen die Schnüdel schon lange nicht mehr und man könnte das Willy-Sachs-Stadion daher ruhig zu einer Streuobstwiese machen, meinten „Stasi und Blasi“, die wie gewohnt das Stadtgeschehen kommentierten. Denn dass das Stadion weiter den Namen eines Nazis und Lüstlings trüge, sei schwer erträglich. Für diese Forderung gab es wenig Applaus an diesem Abend.

Der Applaus war aber Jonas Paul sicher, der mit Gitarre die deutsche (Un-)art kritisierte, für alles und überall eine schriftliche Genehmigung oder Erlaubnis zu fordern. Selbst wenn es nur um das Aufpumpen einer Hüpfburg geht… Seine Mutter, Doris Paul, ließ wieder allerlei Matratzen- und Bettgeschichten in der Bütt vom Stapel, wobei ihr die Lacher und der Applaus – wie gewohnt – sicher waren. Um die Konsequenzen dieser Matratzengeschichten ging es bei Fabian Wahler, der von seinen Leiden als junger Vater – vom Kinderwagenkauf über den Geburtsvorbereitsungskurs – berichtete. Auch nicht ganz leicht hatte es Manfred Göbel, der verzweifelt versuchte, ein Funktelefon mit dem Router zu verbinden und dessen Fragen zur Bedingungsanleitung von der Hotline nur mit Spott und Höhne kommentiert wurden. That´s life.

Mit Mode – und damit mit profaneren Problemen – hatten sich sich die Teilnehmer der Turn- und Tanzgruppe unter der programmatischen Leitung von Ingrid Klier herumzuschlagen. Aber dies bekamen die mehreren Generationen leichtfüßiger unter den Hut als die Stewardessen des Männerballets, die den Saal zum Abheben aufforderten. Unter Leitung von Christine Scheuring boten die prima ballerina wieder eine Supershow und hatten die Lacher auf ihrer Seite. Dass Marco Breitenbach in seiner Bütt, die sich seinem Schüleraustausch mit China widmete, nicht auf diese Damenrunde abgezielt hatte, versteht sich da von selbst.

Den Abschluss bildeten, wie üblich, der fullminante Auftritt der Sunnyboys, die den Saal spülten. Als dann die Luftballons um 24.30 Uhr, auf die Gäste von der Decke regneten, neigte sich ein abwechslungsreicher Abend seinem Ende zu. Der Motor war heißgelaufen und ist nun für acht weitere Sitzungen nun bestens eingefahren. „Wenn´s läfft, dann läfft´s“ eben. Für diese Sitzungen gibt es noch Karten.

© Christopher Richter / Gerald Richter Quelle: inundumSW.de