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1980

„MIR SCHAFFEN SCHWARZ“

„Schwarz die Arbeit, schwarz der, Sinn Schwarze Elf - nix wie hin!" Premierensitzung der Schwarzen Elf - Kolping-Narren zeigten eine tolle Schau

aus: Schweinfurter Volkszeitung vom 21.01.1980

Eigentlich begann doch alles ganz harmlos: „Heute abend wird es heiter, bunt treiben es die Schwarzarbeiter“, reimte der Driesel's Hans, Sitzungspräsident der Schwarzen Elf, noch ganz bieder zur Premierensitzung am Donnerstagabend in der Stadthalle; und dieses biedere Reimchen war schon totale Maske, totale Herausforderung zum totalen Triumph einer Handvoll Kolpingnarren, die das „heitere Treiben“ zum immer weiter anschwellenden Orkan der Begeisterung umfunktionierten; die ausverkaufte Stadthalle geriet ins Toben - müßig, nachzudenken, wer denn jetzt wohl am besten war. von denen, die von der Bühne oben dem Narrenvolk unten im Parkett das Lachen fast bis zum Exzess beibrachten


Mit einer glänzenden Super-Gesamtleistung wartet die Schwarze Elf auch dieses Jahr auf, mit einer so exakt ablaufenden Show, dass es geradezu unheimlich anmutete, so etwas in Schweinfurt, weit weg von Las Vegas oder Paris - und auch noch life - geboten zu bekommen! Unglaublich die Perfektion, unübertroffen die Gags, großzügig die Ausstattung, geradezu beängstigend die Herausforderung von Lachsalven und Büttenkanonaden - und einhellig die Meinung beim Publikum: Schade, dass die weiteren Sitzungen schon ausverkauft sind und nicht jeder Schweinfurter in den Genuss dieses Vergnügens kommen kann: „...mir schaff’n schwarz“.

SCHWARZ ARBEITEN - HELLEN BOCK TRINKEN


„Schwarz“ hat ja nun bekanntlich vielerlei Bedeutung, von der Farbe bis bin zu politischer Färbung, und diesmal hielten eben die „Schwarz“-Arbeiter für das Motto der „Schwarzen Elf“ her. Freilich musste dieses Motto früher oder später beim ldeenreichtum der Schwarzarbeiter bald gesprengt werden, der SKF-Chor fiel aber noch voll drunter (unter’s Motto) und fiel gleichzeitig auf als erste Nummer, Bauarbeiter im Dschingis-Khan-Temporausch und -Takt, vor allem beim „Sauft Brüder...“. Der Zimmermannsspruch „Wenn nix einfällt, is nix los“ löst ein mittleres Erdbeben aus, löste die verkrampften Lachemuskeln, erlöst den Elferrat vom Tragen der Schutzhelme und löscht die Hoffnung auf den Wiederaufbau in der nächsten Sitzung nicht!

Eberhard Roos lässt als Protokollchef noch einmal das politische Jahresgeschehen Revue passieren und der erst zwölfjährige Stefan Leser hat seinen Debüt-Auftritt bei dieser Revue: Rotzfrech zieht er Vergleiche zwischen dem „Stift“ früherer Jahre und dem „Azubi“ (=Auszubildender) unserer Tage. Schon toll, wie der Roos Weltgeschehen glossieren kann, ebenso toll, wie der kleine Stefan die Rechte der Lehrlinge allen im Saal, auf sehr plastisch-drastische Weise verständlich macht.

Mit Druckerschwärze hier einfach nicht zu beschreiben: die beiden Schlussnummern des ersten Aktes „Südseezauber“ und „Till von Franken“ - man muss beide erlebt haben, die SKF-Turn- und Tanzgruppe Karlheinz Fischers und den Zängleins Walter; Insider flüstern sich schon lange zu, dass beide Nummern bester mein sollen als der größte Teil vom Mainzer Fernsehkarneval! Entfachen jene einen so phantastisch-phantasievollen Südseezauber mit geheimnisvoller Lichtwirkung, Geisterbeschwörung, ausgelassenem Hulatanz, gefährlich anmutendem philippinischem Killekleng und geschmeidiger Akrobatik, so entpuppt sich dieser (der Walter Zänglein) einmal mehr als der Vollblutkarnevalist schlechthin in geschliffenem Reimwort wie in nadelspitzer Aussage; und wenn im Fernsehen schon mache albernen Kandidaten „spitze“ sind - was. sind denn dann erst Zänglein und die Turn- und Tanzgruppe?

DON CAMILLO A LA FRÄNKISCH

Musikalische Einlagen von Hanna Ullmann, die ihr „kleines Dickerchen“ besang und der Marschtanz der NESKAGE-Garde, die mit ihrem Eiferrat als Gäste der Einladung der Schwarzarbeiter gefolgt waren, boten Ohren- und Augenschmaus zwischendurch, fast noch übertroffen von der schwungvollen Tarantella der Bad Neustädter Juniorengarde. „Saunagast“ Frank Weber gab ein vielversprechenden Einstand in er Bütt, wo sich Thomas Walter ja schon seit Jahren - diesmal als Konsument - mit deftigem Blödsinn einen Namen geschaffen hat. Was anschließend Sepp Ehrlitzer und Karlheinz Hennig als Pfarrer und Küster in einem echt fränkischen „Fasnacht-Spiel“ boten, wäre schon wieder einen Superlativ wert, der erst noch erfunden werden müsste! Allein die liebevolle Beobachtungsgabe im fränkischen Don-Camillo-Sketch, gepaart mit „dem Volk auf’s Maul geschauter“ Ausdrucksweise machen das Zwiegespräch der beiden zu einem humorvoll Hochgenuss mit Lachtprustern!

Die acht Siebenschläfer K. Bausewein, C. und N. Hoffelner, E. Leser, P. Leuchs, R. Maier, B. Thumser und W. Krause übertrafen wieder einmal sich selbst und alle Erwartungen, im Kommentar zu einigen bundesweiten Fernsehserien etwa; Stasi und Blasi dagegen hatten ihren Bereich wieder abgesteckt: das Schweinfurter Lokalgeschehen. Kritik und Verbesserungsvorschläge ergänzten sich zu einem umwerfenden Frage- und Antwortspiel zwischen Walter Zänglein und Roland Breitenbach. Beide bilden zu Recht einen glanzvollen Schlusspunkt unter einen Abend, wie ihn keiner der Besucher so bald vergessen wird. Hier ist nicht die Stelle, Gags zu, verraten (da ja noch etliche Sitzungen der Schwarzen Elf folgen); es könnten noch mehr solcher Abende sein, bis jeder einzelne Schweinfurter die Supershow kennt, die ihn ruhig „mit Stolz über unseren Schweinfurter Fasching“ erfüllen kann. Und wenn man daran denkt, wie alles einmal amateurhaft in kleinem Kreis im Kolpingssaal begonnen hat - einfach phantastisch!

-düb