Wer kräftig jammert, der bringt es zu was

Schweinfurt (19.01.2004) - Ein junger Mann, der den aufschneiderischen Herzensbrecher perfekt mimte, Tänze in so schönen Kostümen wie etwa denen der Schwarzwald-Mädels, ein erneut brillanter Peter Kuhn und wunderbares Masken-Theater zum Schluss, begeisterten das Publikum der Schwarzen Elf.


Ganz gleich, ob es um die Haupt-Rolle einer jeden Ehe-Frau - das Nudelholz - oder die "siamesischen Zwillinge" im letzten Landtags-Wahlkampf ging; ob eine "große Sonnenblume", die zwischen lauter "Flachwurzlern und Kriechgewächsen" fest im schwarzen Beet steht, beleuchtet oder die Riesenpleite des Toll-Collect-Systems verhöhnt wurde: Der Auftritt der Kolping-Narren bei ihrer ersten Prunksitzung am Freitagabend wurde immer wieder mit herzlichem Lachen, mitunter sogar stehenden Ovationen, belohnt.

Unter dem Motto "Froh gejammert - satt gehungert" agierten die Aktiven in der vollbesetzten Stadthalle, die heuer noch bunter und reicher ausgeschmückt ist als bisher. Letzteres wohl auch wegen der Fernseh-Sitzung am kommenden Freitag und wegen der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Schwarzen Elf. Immerhin wurde dem runden Geburtstag zu Ehren der Sitzungs-Abend am kommenden Donnerstag zu einem "Narrentreffen der Region" umfunktioniert; - an dem sich 22 Gesellschaften aus Stadt und Landkreis beteiligen werden.

Wie immer eingekleidet in die Farben rot-weiß für Franken und weiß-blau für Bayern eröffneten die "Schweinfurter Stadtpfeifer" mit ihren Flöten- und Trommelklängen die Prunksitzung, bei der als der ersten von heuer acht befreundeten Gast-Garden die Aktiven des TSV 07 Grettstadt Einzug hielten. In ihren blauen Kostümen mit schillernden Pailetten tanzten sie zu einem Medley aus Gospel-Melodien und erfreuten mit einem Schautanz zum Musical "Grease". Viel Beifall erhielten auch die erst 12-jährige Mela Lurz und ihr gleichaltriger Partner Marcel Saalmüller, die als Schüler-Tanzpaar der Gast-Garde über die Bretter wirbelten.

Nicht nur im Vergleich dazu etwas müde wirkte Helmuth Backhaus, was sogar bildlich zum Ausdruck kam. Denn der bisher so quirlige, überall hin leuchtende und vor frechen Anmerkungen nur so sprühende "Paparazzo" wurde diesmal schlafend auf einer Bank zur Bühne herein getragen; und ein Eimer für Müll stand gleich nebenan. Zu den besten Pointen dieses als "Penner" in Erscheinung tretenden Aktiven zählten die Erklärung, warum Deutschland beim Aufbau des Irak nicht helfen dürfe, sowie die Feststellung, dass Schröder der größte unter allen Liebhabern sei; - "weil Millionen Deutsche unter ihm stöhnen".

Ein umso schönerer Akzent gelang Fabian Wahler, der sich "auf Brautschau" begab und dabei äußerst gelungen den Schürzen jagenden Macho in Szene setzte. Herrlich seine "profunde" Kenntnis der Materie, die natürlich das Wissen um die Existenz von zweierlei Menschen - katholischen und evangelischen - einschloss, und "hochinteressant" auch die Aufklärung darüber, dass die schönste Zeit in Opas Ehe die fünf Jahre Kriegs-Gefangenschaft in Rußland gewesen seien.

Ein Schunkler, aufgespielt von der Musikkapelle "Quartetto", brachte Bewegung in's Publikum, ehe sich mit elf Turnern der Schwarzen Elf eine ganze Menge an ebenso kunst- wie kraftvoller Bewegung ankündigte. Als "Matrosen auf Landgang" betraten die durchtrainierten Sportler den Saal und verdeutlichten, dass "auf der Reeperbahn nachts um halb eins" die Herzen schwer in's Schlagen geraten können; - bei so mancher "Waagerechten", die in Kombination mit Handständen, Rädern, Saltos und gewagtesten Hebe-Figuren dargeboten wurde.

"Was nutzen Schlösser, die barocken, wenn dort nur Banausen hocken?!" Mit teilweise sehr spitzer Hacke attackierte der "Gärtner" Adi Schön so manches Pflänzchen, das aus Begebenheiten in Stadt und Landkreis erwuchs. Letzteres im Fall des abgewanderten Schlossorchesters von Werneck, ebenso wie bezüglich der Spaltung der "Schweinfurter Liste" oder der Geldnot des Leopoldina-Krankenhauses, wo jetzt vielleicht auch wieder der "kleine Mann - wie bei "Uhlenhuth" - alles ausbaden müsse.

"Mit der Maut, da gibt es Trouble, scheiß' doch auf des ganz' Gebabbel!", meinten die "Eintagsfliegen", die das System "Toll-Collect" mit Tollwut und Tollpatsch in Verbindung brachten und sich in aller Komik auch zum Thema "Pfandflaschen als Geldanlage" äußerten. Natürlich durften da auch noch Anmerkungen zu anderen "Flaschen", wie etwa im Fußball oder im Parlament, nicht fehlen. - Ob Loreley, Schuhplattler, Sauerkraut oder Fräuleinwunder: Dass nicht etwa nur eine Sache, sondern die Gebräuche und Vorlieben aus allen Regionen zusammen erst unser Deutschland ausmachen, verdeutlichten die Turn- und Tanzgruppe und die Kinder-Tanzgruppe der Schwarzen Elf. Die Bade-Nixen der Nordsee, Gartenzwerge aus dem Osten, Schwarzwald-Mädels und Garde-Offiziere aus dem rheinischen Karneval kamen da auf die Bühne, und zeigten nicht nur bei den Kostümen alle Facetten unseres abwechslungsreichen Lands.

Mit einem, der heuer als "Wanderer" unterwegs ist, kündigte Sitzungspräsident Ludwig Paul den Aktiven Peter Kuhn an, dessen versteckte Seitenhiebe auf die hohe Politik erstmals schon nach dem ersten Vortrag, und nicht wie sonst erst nach dem fünften Vortrag, vollständig zu erkennen waren. Bravo, mit wieviel Ironie er von seinen "Wander-Kollegen" Angela, Edmund und Gerhard berichtete, von denen jeder auf seinem eigenen Weg voran geprescht war und die ihn, der doch eigentlich die Karte (Stimme) in der Hand hat, orientierungslos zurück ließen. Herrlich, welcher Zynismus zu Tage kam, als von dem "Brocken" einer Har(t)z-Wanderung die Rede war oder auch davon, dass Krankenkassen-Karten am besten mit Bank-Karten zu verbinden und Gebühren via Satellit abzubuchen seien. Das funktioniere dann, meinte der Redner, - wie Toll-Collect.

Wo genau der Hund begraben liegt: nach dem Auftritt von Doris Bretscher und Oliver Friedrich als "Mutter und Sohn", die auf gänzlich unterschiedliche Weise um den verstorbenen Hund trauern, wusste man dies nicht. Ziemlich deutlich brachte dagegen das Männerballett zum Ausdruck, wieviel Vergnügen es bereiten kann, auf Urlaub "ab in den Süden" zu fahren. Mit ihren Perücken und Gewändern in den italienischen National-Farben erfreuten dessen Mitglieder ihr Publikum, während Doris Paul zur "Flohmarkt-Verkäuferin" und damit hauptsächlich für ihre Nachbarn und Bekannten eine Freude wurde. Denn: Sie selbst hatte alles, was niemand mehr braucht, am Ende noch im Keller; dafür war das Gerümpel der anderen umso besser an den Mann oder auch an die Frau gebracht.

Nicht mehr groß zu verwandeln brauchten die Stadthalle "die Faschingsmuffel", die heuer in's Theater gingen und sich dafür ja bereits in einem hervorragend geeigneten "Theater-Saal" befanden. Klar, dass beim Auftritt dieser "Superstars", die sich nicht auf den Brettern, sondern auf den "Bohlen" der Welt bewegten, bissige Spitzen auf den Superstar-Kult in Deutschland nicht fehlen durften. Noch schöner aber das Spiel der "Muffelburger Puppenkiste", in dessen Verlauf sich - dargestellt mit ganz wunderbaren Masken - Angela Merkel ebenso bestmöglich in Szene setzte wie Edmund Stoiber, Gerhard Schröder und sogar Joschka Fischer; "lauter Holzköpfe eben", erfuhren die lachenden Zuschauer von der Gruppe, die zusammen mit den "Sunnyboys vom Baggersee" einen schönen Faschingsabend beendete.

Eva Landgraf
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt vom 19.01.2004