“Orden

1998

„4 x 11 UND NOCH VIEL MEHR“

Schwarze Elf im ganzen Frankenland an der Spitze



Mit blonden Zöpfen, blau-weißen Kostümen und einem beeindruckenden Marschtanz begann die erste von diesmal neun Sitzungen der Schwarzen Elf in der Stadthalle. Die 16 Gardemädchen aus der heuer ebenfalls 44 Jahre alten "Nürnberger Luftflotte" sorgten damit für Schwung, noch ehe es die Kolpingnarren selbst "krachen" ließen. "Viele Köche verderben... das Küchenmädchen", erklärte "Jungkoch" Fabian Wahler.


Nicht nur für die Bühne, auch fürs richtige Leben hat er diesen Beruf gewählt, und so wußte er absolut fachmännisch zu berichten, was in einer internationalen Küche vor sich geht: Wie "Rippli mit Kraut" hochvornehm werden oder, wie man den ganzen Schweinfurter Stadtrat zu einer einzigartigen Suppe verkocht. Als Entdecker bester Motive kam er in den Saal, und auch selbst darf Helmuth Backhaus als große Entdeckung für die Schwarze Elf bezeichnet werden.

Mit Teleobjektiv und Leiter erschien er als Paparazzo, freilich, ohne die "englische Queen" auch nur eines Blickes zu würdigen. "Luigi Minolta" wartete lieber auf den OB-Kandidaten, der am Zehen der Oberbürgermeisterin lutscht. Zwischenzeitlich erfuhren die Zuhörer, warum Claudia Schiffer besser fährt als Michael Schuhmacher und warum allein das Tamagotchi verantwortlich zeichnet, für den Börsenkrach in Japan.

Hinreißend einstudiert hatte Helmuth Backhaus seine nicht ganz richtige, dafür aber äußerst deutliche deutsche Sprache: "Haben Bundeskanzlerr Kohl wohl gemeint, 4,5 Millionen Arrbeitslose sei Hälfte von drei Millionen?!" "Eine Geisterstunde aus der kindlichen Phantasie" boten die Turner der Schwarzen Elf. Fluoreszierend in grün, gelb und weiß schwebten sie in den fast völlig dunklen Saal; flogen mit Rad, Überschlägen und gewagten Hebefiguren in die Traumwelt des schlafenden Kindes. Bewegung für's Publikum brachte die Sitzungskapelle "Troubadix" mit dem Schunkler "vom Steigerwald".

Kaum zu glauben, daß sich die "Eintagsfliegen" einst gründeten, um auszuhelfen. Inzwischen gehört die versammelte Familie Paul schon mehr als ein Jahrzehnt fest zum Programm, und auch diesmal kommentierte ihre spitze Zunge wieder hochaktuelle Themen. Kein Lachmuskel wurde verschont; weder bei der Frage, was japanische Roboter von deutschen Managern unterscheidet, noch in Sachen Ehenamensrecht und auch nicht bei der neuerlichen Attacke auf alle Handy-Benutzer.

"Was bedeutet eigentlich "Made in Germany"?, fragte sich ein "Marktschreier". Letztendlich nichts anderes, als daß eben "der Wurm drin" sei, "in Deutschland und in deutschen Produkten", meinte Peter Kuhn. Erneut brillant und natürlich wieder hochpolitisch war sein Vortrag als "Vertreter eines Vertreters". Dieser mühte sich vergeblich, ein geheimnisvolles Gerät mit Namen "Reforma S-Tag 100" an den Mann oder an die Frau zu bringen. Klar, daß dieses aus unerfindlichen Gründen völlig schwarze, auch in anderen Farben wählbare und immerhin mit "vier Jahren Garantie" ausgestattete Gerät nichts taugte; weder, um allerlei Papierkram zu re-formieren, noch dazu, einem großen Geld-Schein wieder zu seinem ursprünglichen Wert zu verhelfen.

Eine großartige halbe Stunde schlug dem Publikum beim Auftritt der inzwischen kaum mehr zählbaren Mitglieder der Turn- und Tanzgruppe. "Stunde der Komödianten" hieß ihr Beitrag, in dessen Verlauf deutlich wurde, daß nur der Narr wirklich Freude ins Leben bringen kann. Ingrid Klier, selbst in der Rolle einer Dienerin aus der Commedia dell'arte, gelang mit der Einstudierung dieses Vortrags erneut ein künstlerischer Hochgenuß. Mit ihren farbenfrohen Gewändern erfreuten Kasperle, Clowns, Hampelmänner und Figuren des venezianischen Faschings den Betrachter; aber auch eine hervorragende Inszenierung und perfekter Tanz.

In holder Eintracht arbeiteten beim Schautanz der "Nürnberger Luftflotte" Gauner mit Polizisten und FBI-Agenten zusammen, und mit ihrem Tanzmariechen zeigten die Gäste noch einmal, was atem-be-raubend heißt. Jennifer Baumann bezauberte ihr Publikum, mit einem Solo-Tanz voll Anmut, Sprungkraft und höchster Beweglichkeit. Als neues Duo kamen Doris Bretscher und Thomas Spath auf die Bühne. Die "Zeitungsausträgerin" und der "frischgeschossene, aber ziemlich betrunkene Schützenkönig" tauschten bei dieser Gelegenheit alles aus, was sich Frühaufsteher und Spätheimkehrer zu sagen haben.

Als "Malermeister Josef Streich" nahm Adi Schön die Lokalpolitik ins Visier, ehe sich "verwinkelte Gedanken" widerspiegelten: In den "Anmerkungen eines Wählers" mit Namen Manfred Stark. Auch heuer sparte der "Ober"- Franke nicht mit seinen unnachahmlich herrlichen Bemerkungen, über Ehe-Weiber ebenso wie über Politiker verschiedenster Couleur.

Nicht nur an der Wahlurne hat der Mensch die Qual der Wahl, war dabei zu erfahren. "Ein himmlisches Vergnügen", so hieß nicht nur der Titel der anschließenden Tanzvorstellung. Ein Vergnügen wie auf "Wolke 7" war es auch, dem Männerballett in seinen Engelsgewändern zuzusehen. Neun Mitglieder erschienen ganz in Gold und Weiß, tanzten mit strammen Waden und hinreißendem Gesichtsausdruck auf klassische Musik. "Betreten der Baustelle verboten!?"

Kurz nach Mitternacht war es für die Besucher noch viel zu früh, um wegen eines solchen Schildes den Saal zu räumen. So forderten sie Bleiberecht von den sieben "Faschingsmuffeln", und erfuhren prompt revolutionäres aus dem Bereich des Bauhandwerks. So etwa, wie man richtig "baggert", auf welche Weise man seinem Chef "den Franzosen" gibt oder, was genau ein "Baguette-Boden" ist. Klamauk pur, versetzt mit scharfen Seitenhieben: Natürlich war es niemand geringerer als Peter Kuhn, der auch für diese gelungene und von den Darstellern auf das köstlichste vorgetragene Nummer wieder seine spitze Feder gezückt hatte. Weitere Akzente konnten da nur die "Sunnyboys vom Baggersee" setzen. Zum Jubeljahr der Schwarzen Elf meldeten sie sich besonders lautstark zu Wort; mit Pauken, Trompeten und allem, was sonst noch ordentlich Krach macht.

Quelle: Schweinfurter Volkszeitung
Autor: Eva-Maria Holoch