2012

“Orden

Die Schwarze Elf: Da kommt der Göttervater persönlich


Faschingsauftakt in der Stadthalle:
Viel zu erfahren, zu entdecken und zu lachen

SCHWEINFURT · Seit Monaten herrschte Ausnahmezustand in den Reihen der Schwarzen Elf. Endlich mündeten die Vorbereitungen und Proben in die glanzvolle Eröffnungssitzung unter dem Motto „Mir probiern's fei widder" und begannen damit den Reigen der neun Veranstaltungen. Eine famos in Lila und Grün mit vielen Glitzeranteilen geschmückte Stadthalle begrüßte die Zuschauer zur Premiere in dem ausverkauften Saal, als der Sitzungsrat zusammen mit den Stadtpfeifern und den Gästen, der Garde des Arnsteiner Karnevalsvereins AKV, einzog. Für die Musik sorgten nicht nur die Stadtpfeifer sondern auch den ganzen Abend über die Sitzungskapelle Quartetto.

Hausmeister Helmuth Backhaus räsonierte über die Ausrutscher so mancher politischer Schwergewichte und machte in seiner Kiste zwischen all den Fundstücken eine Entdeckung: eine durchtriebene Staatslenkerin gegen die Bankenkrisen dieser Welt! Der Auftritt der Turner unter dem lapidaren Titel „Orange" entpuppte sich als eine hervorragende Artistiknummer mit atemberaubenden Hebefiguren. Mit kerniger Stimme und fetzigem Sound ließ sich Jonas Paul über die Vorzüge seiner Volljährigkeit „Endlich 18!!" aus. Die große Reichweite seiner motorisierten Ausflüge ins Umland ließen ihn zwar dabei gelegentlich von der Route abkommen, doch fand er nach dem Komasaufen mit Omas Zwetschgenwasser sogar noch Argumente gegen vegetarische Ernährung. Bettina Niedermeier war kurzfristig eingesprungen und machte sodann gute Figur am Steuer eines fetten SUV für den hinter ihr her trödelnden Manfred Göbel am Steuer. Vor dem Breitwandfernseher machte es sich dann die ganze Familie gemütlich und zappte sich durch das Programm. In fantasievollen und farbenfrohen Kostümen präsentierte sich die Turngruppe und tanzte sich durch die Sendungen von „Michel aus Lönneberga" bis zu den „Desperate Housewives". Zum Schunkeln und Mitsingen war immer wieder Gelegenheit, bis dann Göttervater Zeus alias Peter Kuhn einzog und auf das schon mehrfach angeklungene Thema „Griechenland" einhieb: er erzürnte sich über die maroden Sitten, die tödliche Mischung aus Gier und Dummheit der Politiker waren ein gefundenes Fressen für ihn.

Den Bundespräsidenten karikierte er bissig mit einer Fabel nach Äsop und das Bankenwesen geißelte er als die Hydra unter den Institutionen. Donnernder Applaus geleitete seinen Auszug. Der Sitzungspräsident Ludwig Paul holte die Ehrengäste aus Politik, Geschäftsleben und Kirche auf die Bühne und verlieh den Sitzungsorden. Im Gegenzug bedankten sich die Geehrten mit mehr oder weniger gereimten Trinksprüchen.

Mit der Dorftratschn (Doris Paul) hatten die Verantwortlichen die richtige Interviewerin für den „Zensus" gefunden. Sie erzählte nun munter aus dem Nähkästchen und gestand, welches Fläschchen ihr über die Anfangsschwierigkeiten hinweg geholfen hatte. Vor allem die wirklich tollen Beine der Tänzer(innen) des Männerballetts, die professionell geschminkten „Blütenköpfchen" und die wagemutigen Sprünge der Tanzstars waren eine Augenweide. Über den allerorten kräftig blühenden Wellnesswahn machte sich Fabian Wahler lustig, der von seiner jüngst Angetrauten zu einem solchen Wochenende verführt worden war und nun schlüpfrig-lästerhaft darüber herzog. Stasi und Blasi alias Ludwig Paul und Adi Schön wunderten sich darüber, dass der Motorradgottesdienst um Längen mehr Teilnehmer als eine Gewerkschaftsveranstaltung anzog und dass es alsbald wohl einen Wohnmobilstellplatz mit einer ganz besonderen Aussicht geben werde. Ob solcher Verdrehungen konnten die beiden nur noch ins „Meewasser spetzen".

Für einen wehmütigen Abschied sorgte der letzte Auftritt der Faschingsmuffel. Mit ihrer bezeichnenderweise mit „Im Fasching" übertitelten Nummer wuchsen sie einmal mehr über sich hinaus und persiflierten den Wahnsinn einer ganz normalen Faschingssitzung. Eine wahre Meisterleistung war das! Die Mühen und Aufregungen der Vorbereitung hatten sich gelohnt, der Schwarzen Elf war auch in diesem Jahr wieder ein amüsantes und höchst unterhaltendes Programm gelungen. Die Sunnyboys vom Baggersee fungierten mit ihrer schrägen Blasmusik als passender Rausschmeißer am Ende eines langen aber kurzweiligen Abends.

© Erna Rauscher
Quelle: Schweinfurter Volkszeitung