2009

“Orden

OB-Wahl: Die Narren halten sich zurück

Faschingsgesellschaften haben sich Zurückhaltung auferlegt – „Kuno" ist ausgebrannt

SCHWEINFURT · Das Thema unter allen aktuellen Schweinfurter Themen ist die Nachfolge von Gudrun Grieser auf dem Chefsessel im Rathaus. Doch bei den Prunksitzungen der drei Faschingsgesellschaften wird der Wahlkampf zur Nebensächlichkeit.

Die ESKAGE hat dafür einen guten Grund. Mit Stadtrat Stefan Labus kandidiert ein aktives Mitglied für die Schweinfurter Liste. Auf der Bühne im Veranstaltungszentrum am Hainig wird Labus wie gewohnt als Sänger und Chef der LaliPops auftreten. Das Podium zur Wahlkampfplattform ummodeln, „das geht nicht, das wollte der Stefan auch nie", sagt Präsident Horst Dinkel. Auf das Wahlkampfkarussell setzen wird sich David Häusner. Er will jedoch die Kandidaten eher pfleglich behandeln, deutlich machen, wie viele sich für einen Job bewerben, den jeder ganz ohne Qualifikation ansteuern kann.

Bei der Schwarzen Elf ist unter den Aktiven ebenfalls ein Stadtrat, ein Parteifreund von Stefan Labus, Adi Schön von der Schweinfurter Liste. Seit Jahren tritt er mit dem Sitzungspräsidenten Ludwig Paul als „Blasi und Stasi" auf, beleuchtet das Stadtgeschehen. Thema der Schwarzen Elf ist heuer: „Bei uns ist es schöö!" So schön, weil der Schön ein Stadtrat ist, weil die Gudrun Grieser von der CSU alles so schöö gemacht hat? Schön und Paul haben da einen nicht ganz einfachen Spagat hinzulegen.

Die eine oder andere Watschen wird es geben, verrät Präsident Paul. Ungeschoren kommen also zumindest die Kandidaten nicht davon, die man kennt, wogegen man die, die eh keiner kennt, in der Versenkung lassen wird.

Der Hausmeister vom Dienst ist bei der Schwarzen Elf der Helmut Backhaus, doch auch der will laut Sitzungspräsident nicht auspacken, was die Grieser in 18 Jahren so alles ein-, aus- oder umgepackt hat.

Abseits der lokalen Plattform spielen bei der Schwarzen Elf die Faschingsmuffel (diesmal als Vereinsmeier) und der sie leitende Peter Kuhn, der stets mit seinen Vorträgen bundesweit und nicht nur bei „Fasching in Franken" brilliert. Bleiben noch die Antöner-Narren. Wer sich jedoch auf gewaltig-einfache, direkt-treffende Worte von Bernhard Kuhn freut, hat Pech. Der Kuno ist „ausgebrannt", sagt Gesellschaftspräsident Peter Stößel. Kuno pausiert. Das habe er schon während der letzten Session angekündigt, wobei diese Vorhersage zumindest im Saal nicht ankam. So präsentieren die Tönies wohl eher einen lobenden Gesang auf die Grieser-Ära und einen Abgesang auf das Hickhack, dass die Grieser den Kandidaten überlässt.

Gesellschaftspräsident Peter Stößel und Sitzungspräsident Maurice Breitkopf sparen als Duo das OB-Thema aus, treffen sich an einem Kiosk, also an einem Treffpunkt, den es in Schweinfurt längst nicht mehr gibt, weil Tankstellen alles und nicht mehr nur Benzin verkaufen. An so einem Kiosk wäre neben dem Wetter und den Spritpreisen sicherlich die OB-Wahl ein Thema. Doch es gibt weder den Kiosk noch das Fetzen um den rechten Kandidaten im Anton-Saal.

© Gerd Landgraf
Quelle: Schweinfurter Volkszeitung