2009

“Orden

Schwarze Elf gießt beißenden Spott aus

Über Hoch-Rechner, in-die-eigene-Tasche-Rechner und die Beinahe-Schlachtschüssel von Berlin

SCHWEINFURT · Die Quersumme der Zahlen aus der Rechenaufgabe „16 geteilt durch 4“ ergibt elf. - So, wie „Schwarze Elf“, womit aber die mathematische Logik des Kolping-Faschings 2009 bereits erledigt wäre. Denn was den Gästen der Premieren-Prunksitzung am Freitag als Dogma der Rechenkunst serviert wurde, hätte Adam Riese das Fürchten gelehrt.

Sagenhafte Rechen-„Meister“ gab es da, ähnlich wie im richtigen Politik-, Wirtschafts- und Gesellschaftsleben. Doris Paul sparte auf der Unterfrankenschau gleich mehrere hundert Euro mit Waren, die sie nie gebraucht hätte, und weil Strafen teurer wurden, fuhren die „Faschingsmuffel“ noch günstiger schwarz als bisher. Fabian Wahler machte gar ein kleines Vermögen, nachdem er zuvor ein großes besessen hatte, während „Stasi und Blasi“ damit rechneten, dass die Bauarbeiten am Jägersbrunnen noch nicht abgeschlossen seien. Es fehle ja noch der Zaun um den „Stein-Berg“, damit man dort Eisbären ansiedeln könne. Flocke(n) habe die Stadt schließlich genug.

Den Vogel allerdings schoss der „Professor Doktor humoris honoris causa“, der Super-„Mathematiker“ Peter Kuhn ab. Er ließ fünf gerade sein, konnte zwei und zwei nicht zusammenzählen und scherte sich auch sonst keinen Deut um Regeln. So gelang es dem „Mengen-'leeren'-Spezialist“, die künftige Steuerentlastung im Staat aufzuzeigen. Schriftlich, mit zweifacher Probe, bewies er, dass die Entlastung für 16 Bundesländer, verteilt nach vier Himmelsrichtungen, für jede Richtung bei „13“ liegen müsse.

Die Wurzel solch wundersamer, mit negativen Folgen behafteten Art der Vermehrung ergebe sich aus der imaginären mathematischen Einheit „i“, die als Teil der weitverbreiteten „gi•R“ für „immer mehr Euro“ stehe. Eine Abrechnung, die sich gewaschen hat, legte der Redner auch den „50plus-Hoch-Rechnern“ von Bayern vor, bei denen versucht worden sei, das Unberechenbare noch berechenbar zu machen. „Aber wie ihnen dann die Köpfe rauchten! Stets vom eigenen Gesetz bedroht, denn noch galt ja das Rauchverbot!“

Vor dem Einzug der Stadtpfeifer gab's ein getrommeltes Geburtstagsständchen für die Schwarze Elf, die auch im Jahr ihres 55. Geburtstags alle Register zog, um ihr Publikum zu begeistern. Mit hintersinnigen und frechen Sprüchen, hanebüchenen Erkenntnissen, Situationskomik oder Klamauk sorgten die Aktiven für Lachen, Zugabe-Rufe und stehende Ovationen.

Und bei den tänzerisch-sportlichen Nummern zählten wieder die Turner zu den Glanz-Punkten. Anders als manche „sich-in-die-eigene-Tasche-Rechner“ aus Politik und Wirtschaft mussten die Akrobaten auf der Matte ihre Übungen allerdings bestens berechnet haben. „Auf dem Rockkonzert“ zeigte sich dies anhand der von unglaublicher Balance, wahnsinniger Muskelkraft und scheinbar unendlichem Einfallsreichtum getragenen Pyramiden, aber auch im Flug mit Überschlägen und Schrauben.

Ebenfalls temporeich, mit Garde- und Mariechen-Tanz, erfreuten am Sessions-Eröffnungsabend die Karnevalistinnen aus Roth, während seine Aufgaben ruhig und sehr konzentriert der „Hausmeister“ Helmuth Backhaus anging. In 55 Jahren Schwarze Elf steht er schon die elfte Session im Rampenlicht, warf sein Augenmerk diesmal vor allem auf die Vorgänge im Elferrat. Per Video überwachte er besonders jenen, der „in solch einer Krise noch den ganz weißen Kittel anhat“. Dies diene der Betriebsoptimierung, also Wertsteigerung, meinte Backhaus, ähnlich wie bei Klaus Zumwinkel. Der habe seine Werte schließlich auch hochgebracht; – ins Gebirge nach Liechtenstein.

An den vielen Nullen, die seit der Finanzkrise in den Milliarden Euro Schulden der Banken steckten, sehe man erst, wieviele Nullen im Bankengeschäft tätig seien, spottete der Hausmeister, wohingegen Jonas Paul sich Sorgen machte. Weil er älter werde, bekomme er die Krise, meinte das Trompete spielende, 15-jährige Patenkind von Sitzungspräsident Ludwig Paul. Unter anderem im Zusammenhang damit, dass der „Baby-Bonus“ weg sei, ein Stimmrecht bei Wahlen aber noch lange nicht da.

Eine Fenstertag-Vertretung, die als gelernter Hundefriseur im Salon für Zweibeiner nicht die optimale Besetzung war, mimte „Udo Weidi“ alias Thomas Spath. Was sein Sketch-Partner und „Kunde“, Manfred Göbel, wohl dachte, als ihm „ein rosa Schleifchen für den Schwanz“ angeboten wurde? – In allen möglichen Farben auf wunderbaren Kostümen agierten die 60 Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen der Turn- und Tanzgruppe. Die vier Elemente, Wasser, Erde, Feuer und Luft, waren ihr Thema, und dabei tummelten sich Schmetterlinge und Vögel, die von den „luftigen Kleinen“ getragen wurden, ebenso auf der Bühne wie Meerjungfrauen, goldbraune Damen der Erde oder hitzige Frauen aus der Flammenwelt.

Nicht nur unter Biogas-Autos und in der Wellness-Oase sah sich Doris Paul auf der ufra um, sondern auch bei den „äußerst lebendigen Bestattern“. Irgendetwas schien sie dabei aber missverstanden zu haben, denn die vom Staat angekündigte „Abwrack-Prämie für den Alten“ veranlasste sie gleich, den Ehemann zum Kofferpacken aufzufordern. Getreu der Erkenntnis: „Dass Frauen viel haben, was unnötig ist, weiß der Kenner, das beste Beispiel sind die Männer.“

Zugabe-Rufe gab's beim Männerballett, das mit seinem Charleston in eine Zeit weit vor der Gründung der Schwarzen Elf entführte und dabei nicht nur mit entzückenden Kostümen, sondern auch mit umwerfendem Hüftschwung brillierte. Mit einigen Witzchen im Gepäck reiste der „Gringo“ Fabian Wahler bis nach Südamerika, während „Stasi und Blasi“ alias Ludwig Paul und Adi Schön sich um die Vorgänge in Stadt und Landkreis kümmerten. Um die Dauer der Bearbeitung von Anträgen ging es da, um die „Berliner Schlachtschüssel“ und auch um den bei den Stadtwerken für die Busse zuständigen Ulrich Lapp. Dieser trage wohl nur Klettverschluss-Schuhe, denn Schleifen könne er ja nicht, meinten die beiden im Hinblick darauf, dass eine Wende-Schleife auf der Maininsel fehle und deshalb keine Stadtbusse dorthin fahren könnten.

In Arbeits-Overall und Badeschuhen, und wie immer ausgestattet mit jeder Menge lautstarker Instrumente, geleiteten die „Sunnyboys vom Baggersee“ ihr Publikum hinaus. – Allerdings erst, nachdem die „Faschingsmuffel“ einen Stopp am Bahn-Haltepunkt „Muffelstadt“ eingelegt hatten. Einfach wunderbar, mit welch gesammeltem Blödsinn und unnachahmlicher Komik diese lustige Truppe ihr Publikum zum Toben brachte. Nicht allein mit der Feststellung, dass Lokführer die besten Liebhaber seien, „weil sie niemals zu früh kommen“, sondern auch mit ihrem Meister-Stück 09, der Komödie um den absolut neuen, sprechenden Fahrkartenautomaten „DB 0815“. Dieser verstand mehr als nur einmal „nur noch Bahnhof“, und machte dementsprechend großen Bahnhof; – und zwar allein um den Bahnhof von „Brönz“.

© Eva Landgraf
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt