2007

“Orden

Die Schwarze Elf setzt karnevalistischen Höhepunkt


In fremden Revieren gewildert

Schweinfurt (eva) · Stimmungsvoll und kurzweilig, unterlegt mit kritischen und nachdenklichen Büttenreden, so ist das Faschingsmenü der Schwarzen Elf kreiert. „Lachst du schon oder zahlst Du noch“ lautete das Motto der Kampagne 2007 und wer seinen Obolus gezahlt hat, dem wird viel zum lachen geboten.

Schon die neue Saal- und Bühnendekoration ist das Eintrittsgeld wert. Das gilt aber im Besonderen für die Hauptdarsteller, die Büttenredner, Gesangs- und Tanzgruppen. Rund fünf Stunden dauert das kurzweilige, teils bissige und heitere Programm, das in hervorragender Weise von Sitzungspräsident Ludwig Paul moderiert wird. Zusammen mit seinem Partner Adi Schön, als „Stasi & Blasi“ zählt er auch u einem der Höhepunkte in der Bütt. Beide sind echte Kunstsachverständige. Sind dabei wenn Peter Galm Schweine polieren lässt oder wenn Heizungsbauer nach dem Auszug aus dem Sachsbad ein Heizungsrohr vergessen. Mit kritischen Augen durchleuchten sie das Stadtgeschehen und entdecken dabei so mach teuren Faschingsscherz.

Einen tollen Einstand in der Bütt gab der „Trompeter von Berch“. Was Jonas Paul zu beginn seiner Musikkarriere erleben und erleiden muss lässt kein Auge trocken. Ebenfall Lachsalven, besonders bei den Frauen, erntet Doris Paul. Erneut zieht sie in charmant witziger Weise über die Männer her, diesmal als die bessere Autofahrerin. Als „Promi-Hausmeister“ gewährt Helmuth Backhaus den Zuhörern einen Einblick in das Leben der „Proms“. Ob die „wandelnden Röntgenaufnahme“ Heidi Klumm oder der bayerische 007 Schnappauf, hier werden die Speerspitzen gleichmäßig verteilt.

Billiger Brennstoff
Als „Highländer vom Ebenhäuser Forst“ sagt Fabian Wahler den Ölmultis den Kampf an. Das man als Waldarbeiter nicht nur zu billigem Brennstoff kommt, das man daneben auch noch günstig Altpapier und Altöl entsorgen kann bringt ihm Szenenapplaus. Sein Talent als Pantoffelheld stellt einmal mehr Thomas Spath unter Beweis. Seine Partnerin Doris Bretscher schikaniert ihn dermaßen, dass dies nur einen Schluss zulässt: „No Women, no cry“. Scharfer Verstand und der Drang zum Perfektionismus, Peter Kuhn unterstreicht einmal mehr seine Ausnahmestellung unter Deutschlands Büttenrednern. Seine Gratwanderung den Islam mit der westlichen Welt zu vergleichen gelingt im perfektionös. Die Erzählung Nashrettins in das Leben von Edmund Stoibers zu legen und zu dem Schluss zu kommen: „Das Land verändert sich - nur ihr merkt es nicht“ zeigt die Hintergrundironie seines Vortrags auf.

Die Turner zeigen diesmal im „Restaurant zum lustigen Akrobaten“ ihr Können. Überschläge, Flick-Flacks und menschliche Pyramiden auf engstem Raum unterstreichen dies. Bunte Kostüme und starke tänzerische Darbietungen damit verzaubert die Turn- und Tanzgruppe die Besucher. In den Wilden Westen entführt das Männerballett. Bevor die „Sunnyboys vom Baggersee“ die Zuhörer stimmungsvoll in die Nacht entlassen, bieten die „Faschingsmuffel“ noch einen Höhepunkt. Ihre Persiflage auf die Bundeswehr ist witzig ironisch und nachdenklich zugleich. Zwei kurze Einblicke: „Die Bundeswehr braucht kein Feindbild, die hat doch die große Koalition“. Eine große Koalition des Humors, das bietet die Schwarze Elf in diesem Jahr.

© eva
Quelle: schweinfurterAnzeiger vom 24.01.2007