2006

“Orden

Mit Michel Glos, da ist was los

Schweinfurt · "Mer steckt net drin", heißt das Motto der Schwarzen Elf im Fasching 2006. Heute beginnen in der Stadthalle die Proben für die Sitzungen. Am Freitag ist Premiere. Mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos.

"Als Gast natürlich und nicht als Büttenredner, obgleich der Michel dem als ehemaliger Faschingsprinz sicher auch gewachsen wäre", konstatiert Georg Hümpfer, der Gesellschaftspräsident der Schwarzen Elf. Glos sei Kolping-Mitglied und komme jedes Jahr zu einer der Sitzungen. "Dass wir ihn als Bundeswirtschaftsminister begrüßen können, freut uns umso mehr, spornt uns an; am Freitag ist sicher was los", sagte Hümpfer, als wir ihn und seine technische Pioniereinheit beim Aufbau der Faschingskulisse besuchten.

Zwei große Lkw der Brauerei Roth hat die übers Jahr im Kolpinghaus eingelagerte Dekoration gefüllt. Der größte Teil ist ausrangiertes Material der Galeria Kaufhof, deren Chef Herwig Beck die Kolpingnarren großzügig unterstützt. Der Kaufhof übernehme sogar die Dekoration der Vorhalle, dankt Hümpfer.

35 Helfer aus allen Alters- und Berufsgruppen haben am Montag und Dienstag die betagte Stadthalle wieder in einen bunten Faschingstempel verwandelt. Es ging ruckzuck, nach fotografischer Anleitung von Chefdekorateur Hans-Jürgen Runge. Der Profi hatte die Deko des Vorjahres abgelichtet, weshalb alle wussten, was wohin gehört. 35 000 Euro ist diese Dekoration wert, schätzt Bruno Wawrzik. Das ehemalige Stadtratsmitglied der CSU hat die Schwarze Elf 1954 mitgegründet. Sie sei aus einer Schafkopfrunde entstanden, berichtet Elektriker Wawrzik. "Ein gewisser Herr Lehr aus Bingen hat uns empfohlen, dem dortigen Beispiel zu folgen und auch eine Schwarze Faschingself zu gründen; dem sind wir damals gefolgt."

Eine richtige Patenschaft ist daraus nie geworden. Warum, weiß bei der Schwarzen Elf keiner zu sagen. Die ESKAGE ist so alt wie sie; vor den beiden gab's in Schweinfurt aber bereits "Das müde Abseits" der DJK-Narren. Die haben sich aus personellen Gründen aufgelöst. Die Kolpingnarren aber seien gewachsen und zusammengewachsen, so Wawrzik. Da kein Kolping-Sitzfleisch den 14 Sitzungen im engen Kolpinghaus mehr gewachsen war, sei man in die Stadthalle mit maximal 600 Sitzplätzen umgezogen. Aus zunächst drei Faschingssitzungen seien dort auch zwölf geworden - zu Glanzzeiten.

Nur noch neun Sitzungen
Heuer sind es noch neun. Aber die Karten gehen nicht mehr wie früher weg wie warme Semmeln. Das Publikum sei jünger, anders und vor allem noch anspruchsvoller geworden, so Präsident Hümpfer.

Am Preis von 15 Euro für die teuerste Eintrittskarte kann das nachlassende Interesse nicht liegen. Andere Faschingsgesellschaften leiden auch darunter. So günstig bekomme man zwar nirgendwo fünf Stunden gute Unterhaltung, doch müsse sie auch zeitgemäß dargeboten werden, "als Show", meint Oliver Hub. Damit die Sitzungen der Schwarzen Elf eine solche werden, peppt sie der Kolping-Youngster mit seiner Firma für Licht- und Tonverleih in diesem Jahr ein wenig auf und stellt Technik im Wert von über 25 000 Euro zur Verfügung: Digitale Steuerung, Lampen, Strahler, Nebelmaschine.

Weil die Lautsprecheranlage der Stadthalle nichts mehr taugt, bringt die Schwarze Elf ihre eigene mit. Stolze 15 000 Euro hat sie gekostet, ohne die Funkmikrophone und andere ergänzende Anschaffungen. 1000 Euro kostet die Stadthalle pro Sitzung. Die Narren sind dankbar, dass es sie noch gibt, trotz der gestiegenen Miete. Aber sie müssen sich zusätzlich anstrengen, um die höhere Kosten mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz aufzufangen. Alles, was unterm Strich übrig bleibt, kommt in die gemeinsame Kolping-Kasse. Seit drei Monaten näht Hümpfers Gattin Ingrid an den Kostümen. Für Sonderfälle muss Wawrziks Frau Brunhilde ran.

Mit dem Service zufrieden
Auf den Afz-Service angesprochen, sagte Hümpfer, man sei damit rundum zufrieden. "Die Preise stimmen, das Speisenangebot auch; lange Wartezeiten wie bei der ersten Sitzung im vergangenen Jahr gibt es nicht."

© Manfred Kraus
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt vom 17. Januar 2006