Totengedenken 2026
„Totengedenken, macht das überhaupt noch Sinn?“ Werde ich manchmal gefragt. Im letzten Jahr waren es 40 Jahre, dass Walter Zänglein gestorben ist. „Warum trefft ihr Euch trotzdem alljährlich hier?“
Hier gilt es klar zu stellen:
Beim Totengedenken, das gilt allgemein, geht es nicht darum ob es Sinn macht, Totengedenken ist nicht das Ausführen einer Handlung mit einem gesetzten Ziel und einer zu erreichenden Wirkung, mit beabsichtigtem Zweck und gewünschtem Erfolg.
Totengedenken, Gedenken der Ahnen steht als zutiefst menschliches Handeln im Niemandsland des Lebens, ohne actio und reactio, ohne Ursache und Wirkung.
Totengedenken, das heißt deswegen nicht idealisieren, nicht heroisieren, nicht Toten--Kult zu betreiben. Wir müssen unsere Vorgänger unsere Ahnen nicht auf ein goldenes Podest stellen. Es waren alles auch Menschen mit Stärken und mit Schwächen. Wir müssen sie nicht in einen idealisierten Olymp erheben, aber: wir dürfen sie nicht vergessen.
Totengedenken heißt sich an sie erinnern, an sie als Mensch, an ihr Wirken mit Für und Wider. Für sie da sein, Anerkennung, Wertschätzung, Dankbarkeit zollen. Für einen Moment die Brücke bauen, zwischen der Welt in die sie uns voraus gegangen sind und unserem hier und jetzt. Für einen Moment, für ein Nu, hier in Oberwerrn auf dem Friedhof, die Zeiten anhalten, verschmelzen zu lassen, das was war und das was ist verschmelzen lassen zu einem:
WIR.
Jede Zeit hat ihre Freuden, jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Es gibt keine guten und schlechte Zeiten. Es gibt das Leben, das passiert.
Wir müssen nicht jede nicht jeden zum Vorbild stilisieren, aber wir können uns erinnern an die Momente, die sie uns geschenkt haben. Kleine Momente, vielleicht einfach in einem guten Gespräch am Rande, das uns in Erinnerung geblieben ist, oder große Momente, die Weichen gestellt, Räder bewegt haben .
Im letzten Jahr haben uns treue Wegbegleiter verlassen.
Günter Bleiweiß, Günter Krieshammer, Rudi Mack. Alle mit großen und kleinen Momenten, die sie uns geschenkt haben. Günter Bleiweiß, der als treuer Wegbeleiter immer zur Stelle war, aber nie nach vorne trat, sich nie an die Spitze stellte.
Der seinen großen Moment hatte, als der erfolgeiche, in voller Fahrt befindliche Zug „Kolpingfamilie“ drohte still zu stehen. Ich erinnere mich noch gut an die Mitgliederversammlung als sich kein Nachfolger im Amt des Vorsitzenden fand. Mehrfach wurden, selbst in der Versammlung Vorschläge gemacht, niemand war bereit.
Eine Pause wurde gemacht, nicht, weil man einen Plan hatte, sondern weil man nicht mehr weiter wusste. In dieser Pause fand sich Günter bereit, das Amt zu übernehmen und sorgte dafür, dass es weiter ging.
Günter Grieshammer, als Schlagzeuger ein ruhender Pol in der Band Lothar Haase, unaufgeregt, immer mit einem Lächeln auf den Lippen, das Sicherheit ausstrahlte und Zuversicht gab.
Rudi Mack, der sich einbrachte vorbehaltlos mit allem was ihm zur Verfügung stand, künstlerisch schauspielerisch ebenso wie sachlich fachlich, einer der gab, von allem was er hatte.
Wir wollen heute endlich allen gedenken, jeder für sich, jeder an die, die sich unserem geistigen Auge zeigen.
In diesem Gedenken und in dieser geistigen Verbundenheit wollen wir heute in diesem Moment im „Niemandsland unserer Seelen“ im Vertrauen auf Gott beten:
Vater unser im Himmel…