

Die Schwarze Elf „probiert‘s fei widder“
Die „Faschingsmuffel“ nehmen nach 18 Jahren Abschied von der Narrenbühne
SCHWEINFURT · „Wir huldigen einem wunderschönen fränkischen Wort“, meint Sitzungspräsident Ludwig Paul, als er das Motto der Schwarzen Elf für 2012 erklärt. „Mir probiern‘s fei widder“, steht da auf dem Orden, mit Gewicht auf dem winzigen Ausdruck „fei“. Prallvoll mit hintergründigem Humor versprechen die Prunksitzungen zu werden, die am 20. Januar in der Stadthalle starten.
Zum letzten Mal werden die „Faschingsmuffel“ dabei sein. 18 Sessionen lang unterhielten sie mit ihren Besuchen in öffentlichen Einrichtungen, weshalb es nun an der Zeit sei, „einfach auch wieder mal etwas anderes zu machen“. Ihren Abschied nimmt die Truppe so, wie sie es immer geplant hatte: Selbst „auf den Fasching gehen, auf den ganzen organisierten Karneval treffen. Der wird kräftig auf die Schippe genommen getreu dem Motto „Ein rechter Narr hält sich stets schlicht, zuerst den Spiegel vors Gesicht.“
Immer ein Spiegel seines wahren Lebens ist die Bütt‘ von Fabian Wahler. In der letzten Kampagne ist er mit der Freundin zusammengezogen, jetzt steht Besuch von der Familie ins Haus. Da ist wohl mit einigen „skurrilen Tanten“ und manchen „schrägen Onkels“ zu rechnen. Doris Paul wird in ihrem gewohnt deftigen, fränkischen Ton Rückschau auf den „Zensus 2011“ halten. Als „Interviewerin“ hat sie sich genau bei den Leuten umgeschaut. Sie dürfte nicht eines der pikanten Details vergessen haben.
Als Komiker-Duo treten Manfred Göbel und Thomas Spath in Aktion. Den Autofahrer Göbel reizt der hochkorrekte Verkehrsteilnehmer Spath in seinem Fortbewegungsdrang bis zur Weißglut. Mit Führerschein Klasse B in der Tasche steuert auch Jonas Paul die Schwarze-Elf-Bühne an. Klar, dass er damit wesentlich weiter herumkommt als bisher, und klar, dass der singende, stets für viel Gelächter sorgende „Vagabund“ neben seiner Gitarre auch etliche Anekdoten im Gepäck hat.
Den Hausmeister gibt einmal mehr Helmuth Backhaus, diesmal ohne Nebenjob. Sparen ist schließlich überall angesagt, und so spart er sich eben möglichst jede Form von Arbeit. Damit hat er umso mehr Zeit, seine Schlüsse aus dem Weltgeschehen zu ziehen. Ausschließlich auf dem Terrain von Stadt und Landkreis bewegen sich dagegen „Stasi und Blasi“ (Ludwig Paul und Adi Schön). Sie werden den Dreck in Wipfeld sortieren, die ökumenische Weihe von Oberwerrn und die Graffiti-Künste eines Stadtrats beleuchten. Peter Kuhn, der Star, ist selbstverständlich wieder dabei. Aber wie immer verrät er noch nicht, mit welchem Thema.
Dann sind da wieder die närrischen Gruppen in Bewegung: Die Turner, die sämtlichem Müll eine Abfuhr erteilen werden – mit viel Schwung, verspricht wie Paul. Für Eleganz und Farbenpracht sorgen die kleinen und größeren Mitglieder der Tanzgruppe. Von der bezaubernden Jeannie bis zu Wickie und den starken Männern wollen sie Serien-Knüller vergangener Jahrzehnte zum Thema machen, und das Männerballett wird unter der Überschrift „Blumenkinder“ antraben.
Die Schweinfurter Stadtpfeifer werden mit ihren Trommeln und Flöten alle Sitzungen eröffnen, „Troubadix“ spielt die Schunkler zwischendurch und für den Rauswurf zum Schluss sorgen die Sunnyboys vom Baggersee mit ihrer „Katzenmusik“. Eingeladen sind auch wieder eine Reihe bekannter Garden. Die Sitzungstermine (die Veranstaltungen sind ausverkauft) sind jeweils am Freitag, Samstag und Sonntag, und zwar am 20., 21., 22., 27., 28. und 29. Januar sowie am 3., 4. und 5. Februar. Freitags und samstags Beginn um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr.
Schweinfurter Volkszeitung
„Er ist der Beste, ein Genie“
Peter Kuhn ist der 8. Preisträger des Burgkunstadter Goldenen Schuhs
BURGKUNSTADT · Er hat den Till von Franken, ist Ritter der spitzen Zunge und des geschliffenen Wortes, ist Träger des Narrenbrunnenpreis – jetzt ist dem Büttenrednerstar der Schwarzen Elf und der Sendung „Fasching in Franken“, Peter Kuhn, mit dem goldenen Schuh ein weiterer, Preis, verliehen worden. Nur wenige Tage vor seinem ersten offiziellen Auftritt in die Bütt der Schwarzen Elf in Schweinfurt hat er den Preis von der Burgkunstadter Faschingsgesellschaft MCC Mainleus im Rahmen ihrer diesjährigen Prunksitzung verliehen bekommen. Burgkunstadt, erinnert mit dem Sonderorden an seine ehemals goldene Vergangenheit als Schuhmanufakturstandort; heute erhalten Künstler, die sich für die fränkische Fastnacht „die Haken ablaufen“ den goldenen Schuh. Erfunden hat ihn der rührige Faschingspräsident des MCC Wolfgang Hartmann.
Michl Müller, Klaus Karl Kraus, Norbert Neugierig und Pierre Ruby waren unter anderem unter den sieben vorherigen Preisträgern. „Er ist ein Künstler und ein Akrobat mit spitzen Worten; jemand, der Wörter so verdreht, dass Witz und Sinn sich vereinen“, lobte Laudator Franz Besold den 49-Jährigen. „Er ist der Beste, ein Genie und hat ein großes Stück von Ludwig Erhard“, meinte Besold. Peter Kuhn gab sich angesichts des vielen Lobs irritiert: „Bin ich jetzt alt? Sterbe ich bald? Es ist erschreckend dass ich in letzter Zeit mit so vielen Auszeichnungen überhäuft werde?“ In seiner Dankrede freute sich Kuhn aber, dass seine oft als kompliziert empfundenen Büttenredner beim Publikum auf so rege Begeisterung stoßen, wo doch „in der Fastnacht oft auf unterstes Niveau gesetzt wird.“ Den Einspruch aus dem Publikum von Seiten einer Delegation aus dem Rheinland konterte Kuhn elegant: „Wo kommen sie her? Ach, aus Köln. Köln wollte ich nicht explizit erwähnen, habe aber daran gedacht.“ Die Karten für die neun Sitzungen der Schwarzen Elf sind seit Wochen restlos ausverkauft.
Christopher Richter
Göttervater Zeus liest Europa die Leviten
Auch in diesem Jahr legt Peter Kuhn wieder für die Schwarze Elf los
Die Eurokrise als Thema
SCHWEINFURT · Jedes Jahr warten Tausende faschingsbegeisterte Schweinfurter, in welche Rolle der Schwarze Elf-Büttenredner und Star der Sendung „Fasching in Franken", der unvergleichliche Peter Kuhn, wieder schlüpfen wird. Man kannte ihn in den Vorjahren als Wutbürger, als Kapitän, Weihnachtsmann, Rocker, Tunte und Scheich; das Schauspieltalent von der Jungen Oberwerrner Bühne schafft es leicht und locker, chamäleonartig in die verschiedensten Rollen zu schlüpfen.
Regelmäßige Zuhörer
Nie scheinen ihm die Ideen auszugehen. Den Landespolitikern liest er so in verschiedenen Gestalten seit Jahren von Angesicht zu Angesicht die Leviten, ohne diese aber plump zu verurteilen. Auch Ministerpräsident Seehofer gehört neben anderen Landespolitikern zu seinen regelmäßigen Zuhörern beim Fasching in Franken. In der Büttenrednerszene zählt Kuhn mittlerweile zu den Ausnahmetalenten, manche sehen ihn als eine Art Lichtgestalt.
In den letzten Jahren war es bis zuletzt ein Geheimnis, in welches Kostüm er wieder schlüpfen würde. Nur wenige Eingeweihte wussten vor seinem Auftritt in der Schweinfurter Stadthalle, was er sich Geniales einfallen lassen würde, nichts davon sickerte durch. Dieses Jahr ist es anders. Kuhn hat erstmals im Rahmen der Verleihung der Burgkunstädter Sonderauszeichnung „Goldener Schuh" sein Geheimnis etwas früher gelüftet. Denn er wird dieses Jahr den Göttervater Zeus mimen und sich in seiner Büttenrede in weiten Teilen der Eurokrise widmen. Kuhn bedient sich dabei virtuos aus der griechischen Mythologie und schafft den Spagat in die Jetzt-Zeit: So findet sich Ex-Verteidigungsminister Guttenberg etwa als abgestürzter Ikarus wieder. Die Zuhörer in Burgkunstadt haben nach seiner Rede minutenlang Beifall gespendet.
Kuhn ist für seine ungebrochene Kreativität vielfach ausgezeichnet worden, hat den Till von Franken und den Frankenwürfel erhalten, ist zum Ritter der spitzen Zunge und des geschliffenen Wortes ger schlagen worden, ist Träger des Narrenbrunnenpreises und hat jetzt von der Faschingsgesellschaft MCC Mainleus die Sonderauszeichnung „Goldener Schuh" erhalten, weil er sich für die fränkische Fastnacht „die Haken abgelaufen" hat.
Ein Stück von Ludwig Erhard
Erfunden hat den Sonderorden der rühriger Faschingspräsident des MCC, Wolfgang Hartmann. Michl Müller, Klaus Karl Kraus, Norbert Neugierig und Pierre Ruby waren unter anderem unter den sieben vorherigen Preisträgern. „Er ist ein Künstler und ein Akrobat mit spitzen Worten; jemand, der Wörter so verdreht, dass Witz und Sinn sich vereinen", lobte Laudator Franz Besold, selber Büttenredner, den 49-Jährigen. „Er ist der Beste, ein Genie und hat ein großes Stück von Ludwig Erhard", meinte Besold. Peter Kuhn gab sich angesichts des vielen Lobs irritiert: „Es ist erschreckend dass ich in letzter Zeit mit so vielen Auszeichnungen überhäuft werde. Bin ich jetzt alt? Sterbe ich bald?" In seiner Dankrede freute sich Kuhn aber, dass seine oft als kompliziert empfundenen Bütten-reden beim Publikum so gut ankommen, wo doch andernorts „in der Fastnacht oft auf unterstes Niveau gesetzt wird." Die Schwarze 11 Schweinfurt ist auch dank Kuhns. Wirken im Moment die unangefochtene Nummer 1 der Schweinfurter Faschingsgesellschaften und gehört zu den führenden Faschingsgesellschaften in Deutschland.
schweinfurterAnzeiger
Die Faschingsmuffel auf Abschiedstour
Die Antwort an die Schwarze Elf nach der Premierensitzung:
„`s war fei widder gut“
SCHWEINFURT · Einen Fastnachtsauftakt nach Maß legte die Schwarze Elf bei ihrer Premierensitzung in der Stadthalle hin. „Mir probieren`s fei widder“ lautet das Motto der Saison 2012. Und wenn die Faschingsnarren der Kolpingfamilie damit andeuteten: Wir wollen die Besucher wieder begeistern, dann haben sie ihr Motto mehr als erfüllt.
Es ist die Klasse aller Akteure, die von der prunkvoll geschmückten Bühne aus, die Besucher in ihren Bann zieht. Dennoch sind vor allem drei Auftritte aus dem Gesamtreigen heraus zu heben. Zum einen ist dies der von Peter Kuhn. Seit vielen Jahren das politische Orakel der Schwarzen Elf. Wenn er in diesem Jahr als Gottvater Zeus seine Blitze in das politische- und soziale Tagesgeschehen schleudert funkt es mächtig. Der „Oberbürgermeister der Schwarzen Elf“, so Ludi Paul, findet in der griechischen Mythologie viele Gleichnisse für die Jetztzeit, wie am Beispiel der Hydra und der Banker.
Als Zweites sei die Turn- und Tanzgruppe genannt. In welcher Art die Akteure Papier- und Restmülltonnen leeren, welchen Inhalt sie herauszaubern ist Akrobatik der Spitzenklasse.
Abschied der Faschingsmuffel
Selbst bei schwierigsten Sprüngen haben sie immer ein Lächeln auf den Lippen. Bleiben nun noch die Faschingsmuffel. Nach 18 Jahren sagen sie Good Bye. Ist es leise Müdigkeit oder fehlende Motivation wenn Peter Kuhn sinniert: „Gardetänze, kennst Du einen, kennst Du alle“ oder „Guggenmusik, kennst Du ein Lied, kennst Du alle.“ Die Abschiedsshow ist zumindest ein großartiges karnevalistisches „Brönzer“ Abschlussfeuerwerk. Dass nach 18 Jahren weiterhin motivierte Stimmung herrscht, unterstreicht Jonas Paul. Vom kleinen Trompeter hat er sich nun zum Comedien hochgearbeitet, der auch schon mal Ausflüge ins politische macht. An Jahren älter ist Doris Paul, die diesmal als Zensus-Interviewerin aus der Schule plaudert. Sitzungspräsident Ludwig Paul nimmt mit seinem Freund Adi schön (Stasi & Blasi) so manche Ungereimtheiten im kommunalen Geschehen auf die Schippe. Ob das „katholische Feuerwehrauto in Niederwerrn“, der Bischoff als (f)innische ®ohnatur oder die Neujahrsansprache des Oberbürgermeisters - Zündstoff gibt es für die Beiden allemal.
Wellness und Frauen am Steuer
In die Bütt steigen weiter Helmuth Backhaus, der als Hausmeister zur Fundsachenversteigerung einlädt und Fabian Wahler, der zwar bei seinem geschenkten Wellness-Wochenende einiges verwechselt, doch damit einen Volltreffer landet. Kurzfristig eingesprungen ist Bettina Niedermeier, der Sketchpartner Manfred Göbel über fahrende Frauen „grandelt“. Zumindest bis er merkt wer „im Wagen vor mir“ sitzt.
Bleiben noch die Turn- und Tanzgruppe mit der Kinder-Tanzgruppe. Das Männeballett, bei dem hoffentlich das Frühlingserwachen einsetzt und die Sunnyboys vom Baggersee, die ultimativen Rausschmeißer der Schwarzen Elf. Fazit nach rund fünf Stunden: Auch wenn es kleine Abstriche gibt, `s war fei widder gut.
schweinfurterAnzeiger
Hohe Auszeichnung
Till von Franken für Doris Paul von der Schwarzen 11
SCHWEINFURT · Den „Till von Franken“ hat die langjährige Büttenrednerin der Schwarzen Elf, Doris Paul erhalten. Die Auszeichnung nahmen der Präsident des Fastnachtsverbandes Franken, Bernhard Schlereth, und der unterfränkische Bezirkspräsident Kurt Baumeister vor. Doris Paul steht seit 22 Jahren in der Bütt. Sie sang und spielte 18 Jahre in der Familienformation „Die Eintagsfliegen“, seit vier Jahren tritt sie solo auf. Doris Paul trat auch mehrfach in der Fernsehsitzung „Fastnacht in Franken“ auf und repräsentieret die Schwarze Elf jährlich bei vielen Gastauftritten im fränkischen Bereich. Geehrt wurden auch Peter Stephan, Helmuth Backhaus und Sissy Steinert. Die drei Aktiven in der Schwarzen Elf erhielten den Verdienstorden des FVF. Präsident Bernhard Schlereth hatte bei seinem Besuch noch ein besonderes Bonbon für die Gesellschaft im Gepäck. Bei seiner Begrüßung lobte er die Prunksitzung der Schwarzen Elf als „die beste Prunksitzung in ganz Franken“. Dies, so Sitzungspräsident Ludi Paul, ist eine Auszeichnung und Ehrung, die allen Helfern auf und hinter der Bühne der Schwarzen Elf gleichermaßen gilt.
schweinfurterAnzeiger
Das Gewissen der Fastnacht
Die Straßen in Oberwerrn haben wohlklingende Namen. Sie heißen: Am Bonland. Wiesengasse. Im Tal. Philosophenweg. Hier muss er doch wohnen, Peter Kuhn. Wenn nicht im Philosophenweg, wo dann? Ein Straßenname wie erfunden für ihn. Aber Peter Kuhn wohnt hier nicht. Es geht noch einmal um eine Ecke, hinein in die Werntalstraße, dann steht der Besucher vor dem Haus, in dem Frankens scharfsinnigster Büttenredner lebt: Peter Kuhn von der Schwarzen Elf in Schweinfurt. Wenn es stimmt, dass eine Wohnung viel über den Charakter des Bewohners verrät, dann gehört diese einem humorvollen Menschen mit Hirn, der keinen großen Wert auf Schnickschnack legt. Funktional, so könnte die Einrichtung auch umschrieben werden. Auf dem Esstisch liegt das Jahresheft 2011 des Magazins „Der Spiegel", in der Garderobe hängt die Perücke für den nächsten Auftritt und im Wohnzimmer, hinter dem Sofa, wächst eine Regalwand an die Decke, darin Seit' an Seit' bunte DVDs. Es mögen Hunderte sein. Die Simpsons. Heinz Erhardt. Dick & Doof. Peter Kuhn liebt Stan Laurel und Oliver Hardy, er besitzt eine umfassende Sammlung ihrer Filme. Vielleicht ist es ihm also ganz recht, dass die Adresse so lautet wie sie lautet. Werntalstraße statt Philosophenweg.
Dabei ist Peter Kuhn durchaus ein Denker. Aber ein Nietzsche der Narretei? Das wäre dem Pädagogen zu dick aufgetragen. Der 49-Jährige ist geerdet, arbeitet als Erzieher im Haus Marienthal, einer evangelischen Einrichtung für Kinder, Jugendliche und Familien in Schweinfurt, und wer ihn fragt, ob er sich aufgrund der großen Erfolge die Maskerade als Büttenredner hauptberuflich vorstellen könne, der fängt sich eine Antwort ein, die schneller daher kommt als eine Kugel aus Lucky Lukes Revolver: „Nein, nie!" Kuhn, ledig, liebt seine Unabhängigkeit. „Mein Beruf verschafft mir eine sichere Basis", sagt er. So muss er sich in der Fasenacht „nicht anbiedern". Er kann auswählen und es sich leisten, auch mal nein zu sagen. Das hält ihn wachsam und bewahrt ihm auch einen kritischen Blick auf die Branche, die bisweilen gar nicht so lustig daherkommt, wie sie nach außen immer tut.
„Das Niveau in der Fastnacht ist ja manchmal schon sehr fragwürdig. Da ist das Publikum gar nicht so blöd, wie es manchmal gehalten wird. Der Klamauk gehört zur Fastnacht", sagt Peter Kuhn, „aber ich beobachte zwei Strömungen nicht ohne Sorge." Die eine nennt er die Comedysierung des Faschings. Humor werde beliebig, wenn er das ganze Jahr im Stil eines Atze Schröders betrieben werde. „Wenn Leute im Sommer einen Faschingszug machen, dann werden sie aus dem Verband ausgeschlossen", kritisiert Kuhn, „aber wer im Sommer die gleichen Witze erzählt, der darf das." Beim Faschingsnachwuchs erkennt er den Trend in der Region, „dass jetzt jeder den Michl Müller machen will". Witze, Gags, Lieder, über die Bühne springen wie ein entfesselter Duracell-Hase, „ich bin schon zu Auftritten gekommen", erzählt Peter Kuhn und das unausgesprochene Fragezeichen steht ihm auf der Stirn geschrieben, „da hatten sie gar keine Bütt mehr". Die Akteure wollen doch gesehen werden, sagten die Veranstalter dann. Kuhn antwortete: „Aber ich will gehört werden." Seine Forderung: „Das Niveau muss rauf und nicht runter."
Für die zweite Strömung hat der Erzieher auch ein Wort parat, er nennt sie die Politisierung des Faschings. „Viele Kabarettisten, die früher über die Fastnacht die Nase gerümpft haben, nutzen jetzt die Popularität dieser Bühne." Jeder dürfe ja seine Meinung ändern, sagt Kuhn. Aber auch hier, so scheint es, nervt ihn die Ganzjahresberieselung durch alle Kanäle. Humor als grundsätzliche Lebensphilosophie, das findet er richtig, ja wichtig sogar.
Aber auch ein Vulkan spuckt nicht ständig Lava. Er nennt es so: Alles kulminiert irgendwann, alles hat 4 seine Zeit. Kein Mensch käme doch auf die Idee, sagt Peter Kuhn, im Sommer Weihnachten zu feiern. Deshalb gefällt ihm die Fernsehsendung „Fastnacht in Franken" mit ihrem Live-Charakter. Sie sei geprägt von den Merkmalen des Faschings, „sie ist nicht beliebig und könnte nicht so ohne Weiteres im Juni ausgestrahlt werden". Er selbst wird in diesem Jahr zum 20. Mal dem Volk die Leviten lesen mit seiner leicht näselnden Sprache und einer Wucht der Worte, die sich manchem erst in der Wiederholung erschließt. Wie im vergangenen Jahr: Jetzt diskutiert man wieder scharf / ob Wikileaks so was verraten darf / statt sich zu fragen ganz betreten / wie Amis über Freunde reden. Das war so ein typischer Kuhn. Leiser Knüller statt lauter Brüller. Mit dieser Art hat er viel Preise in der Fastnacht abgeräumt.
Erst neulich erhielt er in Burgkunstadt den „Goldenen Schuh". Den Goldenen was? Richtig, nicht gerade der Nobelpreis der Narren, aber Kuhn fuhr gerne nach Oberfranken, auch wenn er weiß, dass mit den Preisträgern Aufmerksamkeit hergestellt werden soll. „Trotzdem ist es schön, wenn dich jemand für preiswürdig hält." Denn das heißt, „dass deine Art geschätzt wird".
„Das Niveau muss rauf und nicht runter." Peter Kuhn über die Beiträge in der Fastnacht
Und seine Art unterliegt Regeln. Schlüssiger Aufbau der Rede, roter Faden, moralische Prinzipien: „Das Privatleben von Menschen gehört nicht auf die Fastnachtsbühne, es sei denn, sie haben es selbst zum Thema gemacht", sagt Peter Kuhn, so etwas wie das Gewissen der Fastnacht. „Man macht sich auch nicht über Unglücke oder Dramen lustig, sondern höchstens darüber, wie manche Leute damit umgehen."
Die Reden, erzählt Peter Kuhn, entstehen meist um Weihnachten herum, „da lege ich mich auf die Figur fest". Das Jahr über macht sich der Büttenredner keine Notizen, „denn wenn ich ein Ereignis vergessen habe, dann hat es das Publikum auch". Er blättert in einem Jahresrückblickmagazin und hält sich an die großen Dinge. So kommt es, dass er manchmal bis kurz vor dem ersten Auftritt an seiner Rede feilt, „manchmal brauche ich den Druck". Kuhn sagt aber auch: „Ich vertraue mir. Mittlerweile hilft mir auch die Erfahrung." Neulich hatte er trotzdem einen Albtraum: „Da sehe ich, wie der Sitzungspräsident mich ankündigt und ich stehe da und habe keine Rede." Doch in der Realität hat es noch immer funktioniert - und wie. Ob als Arzt für Deutschland, als Abgesandter aus Rom oder als Erklärer der Rechtschreibreform, seit zwei Dekaden ist Kuhn ein Garant für hintergründigen Reim. Dabei kommt er aus einer Familie, „die mit Fasching nichts am Hut hatte". Als Kind in Bad Mergentheim war sein Höhepunkt der Narretei die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz", das sei die einzige Sendung gewesen, „bei der man länger aufbleiben durfte". Aber Peter Kuhn schrieb gerne Gedichte, immer schon, und so wurde er irgendwann der Schwarzen Elf empfohlen. 1991 folgte die Premiere in der Bütt, er hat sie bis heute nicht verlassen. „Fastnacht in Franken", sagt der Pädagoge, „hat für mich tatsächlich eine besondere Relevanz." Die Sendung hat ihn über die Grenzen der Region hinaus bekannt gemacht, er wurde gebucht in Wiesbaden, in Kiel, in Düsseldorf. Vor allem der Auftritt in der Altbierstadt am Rhein hat bei dem Fasenachter einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Das war ein schreckliches Erlebnis", sagt Peter Kuhn, „dort gibt es keine Seele, dort ist Karneval eine große Geschäftemacherei." Draußen im Flur, auf der Kommode liegt das Paket eines Kostümversands. Es enthält eine griechische Kutte. „Nur zur Sicherheit", sagt Peter Kuhn, „falls die Schneiderin nicht fertig wird." Aber natürlich ist sie fertig geworden. In diesem Jahr wird er in der Fastnacht als griechischer Göttervater Zeus erscheinen, die ersten Blitze hat er in Schweinfurt und Würzburg und anderswo geworfen.
30 bis 40 Auftritte hat er in dieser Session, in Nürnberg wurde er sogar noch für den politischen Aschermittwoch gebucht. Danach steigt er aus der Bütt und schlüpft in eine andere Rolle: In dem französischen Stück „Oscar" von Claude Magnier spielt er die Hauptrolle. Jene Rolle, die der unvergessene Louis de Funs 1967 ins Kino gebracht hat. „Schon als Kind hatte ich Schauspieler werden wollen", sagt Peter Kuhn, „mich hat's immer zur Bühne gedrängt." Er ist zufrieden, so wie es ist. Junge Oberwerrner Bühne statt Burgtheater Wien. Werntalstraße statt Philosophenweg.
Schweinfurter Volkszeitung
Totengedenken 2012
Liebe Freunde,
wir treffen uns heute wieder, wie jedes Jahr, um ein einmal gegebenes Versprechen einzulösen. Wir sind heute hier weil wir den Satz, „Wir wollen Ihnen ein ehrendes Gedenken bewahren" nicht als Formel, sondern als Versprechen verstehen. So haben wir uns getroffen, zu dieser, für unseren momentanen Lebensrhythmus frühen Zeit, an diesem, für unser momentanes Umfeld ruhigen Ort, in dieser, für die Aufgekratztheit unserer momentanen Gedanken meditativen Stimmung.
Jetzt gilt es für einen Moment inne zu halten und das fällt uns leichter in dieser Umgebung, die Ruhe ausstrahlt, am Grab eines unserer Freunde. Hier, wo uns die Patina an diesem schönen Grabstein mit dieser schönen Innschrift daran erinnert, dass nicht nur wir vergänglich sind, sondern dass auch nach dem Tod das Leben weitergeht.
Oft wird beim Tod eines Menschen unweigerlich die Frage gestellt nach dem Warum? Warum musste derjenige oder diejenige sterben? Aber ist das nicht die falsche Denkrichtung? Ist nicht diese Frage bereits mit oder durch unsere Geburt beantwortet? Der Tod ist durch die Geburt unweigerlich festgelegt, wir können uns ihm nicht entziehen.
Ist es nicht besser die Frage nach dem „Warum" zu Lebzeiten zu stellen? Warum leben wir ? Wozu sind wir auf dieser Welt? Ist es nicht besser zu Lebzeiten auf die Suche nach diesem Warum zu gehen, dann wenn ich noch suchen kann, dann, wenn die Antwort darauf auch noch Gutes bei meinen Mitmenschen bewirken kann.
Dann wenn ich durch meine Suche, durch mein Leben, meinen Mitmenschen zu Lebzeiten Antworten geben kann auf das Warum, dann wenn sie durch mein Leben durch mein Handeln merken: Darum ist jemand da, darum war jemand auf der Welt und darum kann ich dankbar sein, dass es ihn gab … und erspare mir dadurch die zu späte Frage nach dem Warum.
Unsere Mitstreiter haben durch die Freude, die sie durch ihr Tun und Mittun in unserer Gemeinschaft gegeben haben einen Teil dieses Warums für ihr Leben beantwortet. Ein Teil Ihres „Darum sind wie hier" haben sie uns, unserer Gemeinschaft, uns als Freunden, uns als guten Mitmenschen oder ganz einfach uns als Publikum, gegeben. An all dies, was sie uns gegeben haben, wollen wir uns gerne Erinnern, jetzt, hier und heute. An all das was sie getan haben, wie sie gelebt haben, wie sie uns als Freunde zu Seite standen.
Friedrich Rückert hat einmal einen wunderschönen Neujahrsgruß formuliert, den man durchaus auch als Lebenswunsch für alle Situationen setzen kann wo neu begonnen werden muss, wo es gilt mit Hoffnung Neues anzugehen:
Falsches werde wahr,
Trübes werde klar,
Nichtges sei zerstoben!
Und ein neues Jahr
Sei uns angehoben,
wie kein altes war!
(Friedrich Rückert)




