Till von Franken in Gold für einen sprachlosen Ludwig Paul

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Ludwig Paul einmal sprachlos zu erleben, war ein ganz besonderes zusätzliches Highlight des Abends für die ca. 280 Aktiven der Schwarzen 11, die sich anlässlich des Jubiläums - 66Jahre Schwarze 11 – in der Stadthalle Schweinfurt eingefunden hatten. Der Grund dafür: die - für ihn selbst völlig unerwartete - Auszeichnung des Fastnachtverbandes Franken mit dem höchsten und höchst selten verliehenen Till von Franken in Gold.

Nach dem Till von Franken in Silber, der bereits als außergewöhnliche Auszeichnung des Verbandes gilt und nur einmal pro Gesellschaft pro Session vergeben werden kann, gibt es nur noch eine Steigerung, den Till von Franken in Gold. Er wird verliehen für außerordentliche Verdienste, die weit über die Grenzen auch der eigenen Gesellschaft wirken. Mit eben diesem ganz besonderen Orden ehrte der Präsident des Fastnachtverbandes Marco Anderlik höchst persönlich den Sitzungspräsidenten der Schwarzen Elf.

Man kennt Ludi Paul sonst als wortgewandt, erfrischend spontan und um keinen schnellen Spruch verlegen. Er ist ein Präsident, der charmant und mit viel Humor durch die neun Sitzungen der Kampagne leitet, den nichts so leicht aus seinem Sessel haut, nicht einmal ein 30 minütiger Stromausfall während der Sitzung, den es zu überbrücken gilt – so geschehen 2016. Umso rührender war der Anblick eines fast verlegenen Ludi Paul, der nach Worten sucht.

Glückwünsche zum Orden gab es auf der Bühne neben Anderlik auch vom Bezirkspräsident für Unterfranken Tobias Brand, dem Ordenskanzler Norbert Schober, von seinen eigenen Präsidiumskollegen sowie minutenlange Standing Ovations im ganzen Saal und nicht enden wollenden Applaus aller Aktiven für „ihren Ludi“. Seit 25 Jahren ist er Sitzungspräsident. Seine fastnachtliche Karriere begann allerdings schon 1982 in der Bütt als Hausbesetzer und Dauerdemonstrant. Nach fünf Soloauftritten in der Bütt, stets mit eigenen Texten, stand er mit der Familiengesangsgruppe „Die Eintagsfliegen“ auf der Bühne, für die er ebenfalls die Texte und Lieder verfasste - eine ebenso erfolgreiche wie schöne Zeit. 56 Lieder sind so in den 17 Jahren Eintagsfliegen zusammengekommen.

Auch als Förderer der Jugend hat sich Ludi Paul hervorgetan. Drei Nachwuchsbüttenredner, die alle heute feste Säulen des Programms sind, hat er z.T. entdeckt, gefördert und entwickelt und viele Texte für sie verfasst: Fabian Wahler, Jonas Paul und Marco Breitenbach - allesamt im Bayerischen Fernsehen zu sehen gewesen. Er war unter den ersten, die bei den Schulungen des Fastnachtverbandes ihr Wissen und ihre Erfahrung auch an die jüngere Generation weiter gaben.

Als Verantwortlicher des Programmes ist er Autor und Co-Autor fast aller Büttenreden, die auf der Bühne der Schwarzen 11 vorgetragen werden, entwickelt immer wieder neue Figuren und Formate. Dass eine Gesellschaft ohne jeglichen „Zukauf“ von außen ein Programm gestalte, auch das sei, laut Anderlik, eine Besonderheit, die kaum noch eine andere Gesellschaft aufzuweisen habe und worauf die Schwarze 11 stolz sein könne.

Mit seinem Freund und Stellvertreter Adi Schön stand er selbst 11 Jahre als „Stasi und Blasi“ in der Bütt, um das Stadtgeschehen zu persiflieren. Er packt mit an, wenn Requisiten gebraucht werden, unterstützt die Redner als Coach, souffliert und springt im Krankheitsfall auch selbst mit ein, schlüpft in die Kostüme und Rollen, um die eine oder andere Nummer zu retten. Auch hier kamen im Laufe der Jahre unzählige unvergessliche Reden und Nummern zusammen, die auf seine (Narren-) Kappe gehen.

Ludwig Paul gilt als charismatischer Visionär, der sich mit viel Herzblut einbringt und andere zu motivieren und mit zu reißen versteht, der mit seiner sympathischen und offenen Art bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt ist, der aber um seine eigenen Leistungen keinerlei Aufhebens macht. Der gute Geist, der in der Schwarzen 11 seit jeher durch die Gesellschaft weht und für den enormen Zusammenhalt der Kolpingnarren sorgt, ist auch in solchen erhebenden Momenten deutlich spürbar und nicht zuletzt Menschen wie Ludwig Paul zu verdanken.



9. November 2019
Fotos: Claudia Schlör

Text: Annette Paul