Endlich war es so weit: Am 16.01.2025 startete das erste Prunksitzungswochenende mit einer ausverkauften Stadthalle. Unter dem sehr unterfränkischen Motto „Brunzverreck, da geht noch was!“ erlebte das Publikum einen mehr als gelungenen Auftakt.
Fünf Stunden Programm vergingen wie im Flug. Die bewährte Mischung aus Tanz, Akrobatik und Büttenreden, die das Motto immer wieder aufgriffen, begeisterte das farbenfroh und fantasievoll kostümierte Publikum.
Ein Jubiläum zum Auftakt
Den feierlichen Beginn gestalteten die Schweinfurter Stadtpfeifer, die den Elferrat der Schwarzen Elf sowie die Gäste des Rother Carneval Vereins (RCV) musikalisch in den Saal und auf die Bühne begleiteten – eine schöne Tradition seit vielen Jahren.
In diesem Jahr gab es jedoch einen besonderen Anlass: Die Stadtpfeifer feiern unter der Leitung von Andrea Neubert und Torsten Riese ihr 40-jähriges Bestehen. In einer Diashow untermalt von „Nesaja – ich wollte nie erwachsen sein“ von Peter Maffay – welches natürlich die Stadtpfeifer selber spielten - wurde eindrucksvoll gezeigt, wie die Musikerinnen und Musiker über die Jahre „in Uniform groß geworden“ sind und wie unverzichtbar sie für das kulturelle Leben Schweinfurts geworden sind.
Humor, Politik und Alltagswahnsinn
Anschließend betrat der „Hausmeister vo’der Stadthall“ die Bühne. Er berichtete von seinen alltäglichen Herausforderungen – vom Putzen der neuen großen Fenster über den anstrengenden Trend so gesunden und damit oft veganer Ernährung bis hin zu einem humorvollen Jahresrückblick, bei dem er mit Politikern aber auch dem Hype in den sozialen Medien (TikTaK und Inselgram) abrechnete.
Nach einem schwungvollen Schautanz der Garde des RCV Roth, die später noch mit einem imposanten „Schachspiel“-Tanz begeisterte, folgte Maxim Modlinger in der Bütt. Das einstige „Küken der Schwarzen Elf“ ist inzwischen 17 Jahre alt – fast erwachsen. Doch eine sieht das ganz anders: die Mama. In ihrer Rede bezeichnete Maxim sie liebevoll als „Kümmerermaschine“, leicht genervt als „Helikopter-Mutti“ oder „AirforceMum“. Am Ende war aber klar: Mama ist und bleibt die Beste.
Fabian Wahler erntete anschließend Standing Ovations mit seinem Bericht über den Kampf mit den Behörden – insbesondere dem Bauamt. Schließlich will man seiner Frau keinen Wunsch abschlagen, schon gar nicht den nach einem Pool im eigenen Garten.
Akrobatik, Gänse und große Fragen
Sitzungspräsident „Ludi“ Paul führte wie immer launig durch den Abend, wurde jedoch plötzlich von einer Eilmeldung auf der Leinwand unterbrochen: Weibliche Häftlinge seien ausgebrochen und auf dem Weg in die Stadthalle!
Kurz darauf stürmten sportliche Polizisten den Saal und lieferten sich mit den „Häftlingen“ eine witzige Verfolgungsjagd – gekrönt von einer beeindruckenden akrobatischen Show im Räuber-und-Gendarm-Stil.
Vom Polizeieinsatz ging es direkt weiter in den Baumarkt, wo Thomas Spath als Mitarbeiter auf den Kunden Manfred Göbel traf. Als bekanntes fränkisches Duo klagten sie sich gemeinsam ihr Leid – sehr zur Freude des Publikums.
Natürlich durften auch die Baggerseegänse nicht fehlen. Per Video flogen sie über Schweinfurt ein und landeten notgedrungen auf dem Dach der Stadthalle. Damit griffen sie ein zentrales Thema des Abends auf: den drohenden Verkauf der Stadthalle. Weder Gänse noch Publikum können dieses Vorhaben nachvollziehen – schließlich besuchen über 31.000 Menschen jährlich die zahlreichen kulturellen Veranstaltungen.
Als Alternativlösung wurde augenzwinkernd das Sachs-Stadion ins Spiel gebracht (immerhin mit Fußbodenheizung). Oder vielleicht kandidieren die Gänse bei der diesjährigen Oberbürgermeisterwahl einfach selbst als Doppelspitze mit dem Motto „Gans oder gar nicht“ – und retten die Stadthalle gleich mit. – und sich selbst, denn dann gibt es an Weihnachten nur noch Ente.
Tanz, Märchen und Lebenskrisen
Die Turn- und Tanzgruppe begeisterte anschließend mit einer Choreografie, die einer Achterbahn der Gefühle glich. Farbenprächtig wurden unterschiedliche Emotionen dargestellt: Die gelassenen grünen Teenager und die pinken, verliebten, junggebliebenen Erwachsenen wurden immer wieder von zornigen und verletzten jungen Erwachsenen tänzerisch einfallsreich verdrängt. Besonders die gelbe, fröhliche Kindergruppe schaffte es jedoch stets, Harmonie herzustellen – bis am Ende alle Gruppen friedlich vereint waren.
Nachdenkliche, aber auch märchenhafte Momente brachte Peter Kuhn als Märchenerzähler auf die Bühne. In der Geschichte von Friedrich, der „auszog, das Regieren zu lernen“, rechnete er gewohnt scharfzüngig mit politischen Größen aus nah und fern ab – von der Schneekönigin über die Bremer Stadtmigranten bis hin zum Trumpelstilzchen.
Etwas leichter, aber sehr menschlich ging es im Kleingartenverein zu, in den Julia Kleedörfer, Steffi Schlagbauer, Moni Brand und Luis Majewski als Narrenschiff das Publikum entführten.
Ein weiteres Gewächs der Schwarzen Elf ist Marco Breitenbach. 2013 noch als kleiner Junge mit der Tuba in der Bütt, steht der 25-Jährige heute mitten in seiner ersten Lebenskrise – der Quarterlife-Crisis. Mit viel Humor erzählte er von unerreichten Lebenszielen, während sein persönliches Highlight immerhin ein perfekt gebrühter Kaffee aus der Siebträgermaschine ist.
Meerjungfrauen, Optimismus und ein würdiger Abschluss
Danach gehörte die Bühne dem Männerballett, dessen Mitglieder ihre Midlife-Krise bereits hinter sich haben – und das Publikum stattdessen als Meerjungfrauen begeisterten.
Nach einem Jahr Babypause kehrte auch Jonas Paul zurück und erklärte mit der Gitarre das diesjährige Motto anhand von E-Bikes, Künstlicher Intelligenz und Laubbläsern. Egal wie aussichtslos die Lage scheint – am Ende gilt immer:
„Brunzverreck, da geht noch was!“
Bevor die Sunnyboys den Abend ausklingen ließen, betrat Doris Paul als Friseurin die Bütt und erzählte aus ihrem Salon – dem Ort, an dem das wahre Leben spielt und alle gleich sind, ob jung oder alt, berühmt oder ganz normal.
Die Sunnyboys zogen schließlich als „Rentnerband“ zu den Klängen von „Wernnääär – beinhart wie’n Rocker“ ein und bewiesen eindrucksvoll, dass man auch im Alter jede Menge Spaß haben kann.
Eine großartige Sitzung ging zu Ende – und wir freuen uns auf eine fantastische Faschingssaison.
Denn wir wissen: Brunzverreck, da geht noch was!🎭