Totengedenken 2022

Zwiesprache

Wenn wir heute wieder, nach einem Jahr Pause an unserer Gedenkstätte stehen, wenn wir uns versammelt haben, weil wir den Spruch „Wir werden Ihnen ein ehrendes Gedenken bewahren“ ernst nehmen, wenn wir die Leistungen unserer Vorgänger mit unserer Andacht wertschätzen, weil sie Teil unseres Wertefundamentes sind, dann sind wir auch da, weil diese Andacht, früh, in der Kälte der winterlichen Natur, inmitten der Kampagne unter dem Eindruck der letzten Sitzungen, uns innehalten lässt, weil wir Zwiesprache halten wollen mit denen, die vor uns hier gestanden sind. Zwiesprache halten, mit denen die vor uns die Geschicke unserer Gemeinschaft durch die Wetter und Unwetter der Zeit gelenkt haben.

Dabei kann Vergangenheit Verpflichtung sein, darf aber nie zum Ballast werden. Deswegen stehen wir hier, erinnern uns, an viele die wir persönlich gekannt haben, an manch Eine oder Einen, die wir aus Erzählungen kennen. Überlegen wir also, suchen wir jemanden, mit der, mit dem wir jetzt diese Minuten verbringen wollen…..

Nun…da wir alle beisammen stehen…wollen wir diese Zwiesprache halten….. Vielleicht würden wir bei diesem Zwiegespräch in diesem besonderen Jahr eine Frage besonders mit unseren Vorausgegangen diskutieren: Kolping Fastnachtsgesellschaft, „Christlich Grundhaltung“ und „Prunksitzungen in Coronazeit“, passt das zusammen? Wenn wir hier Adolph Kolping selbst zu Wort kommen lassen, dann hätte er vielleicht das wiederholt, was er vor über 150 Jahren so ausgedrückt hat:

„Froh und glücklich machen, trösten und erfreuen, ist im Grunde doch das Glücklichste und Beste, was der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann“

Das mag nun sehr pathetisch klingen, aber genau das ist der Kern, das innerste unseres Wesens als Kolping-Karnevalsgesellschaft, das Wesen christlichen Handelns: da zu sein, wenn alle anderen sich zurückziehen.

Ein Beispiel vielleicht, das mir gestern nach der Sitzung zugetragen wurde. Es handelt von einer Frau, die bei uns in der Sitzung war. Sie spiegelte uns als Feedback zur Sitzung zurück, dass sie seit dem Tod ihrer Mutter vor eineinhalb Jahren, in unserer Veranstaltung das erste Mal wieder so richtig befreit und herzhaft gelacht hat.

Ist das nicht dies, was auch Kolping mit seinem Satz ausgedrückt hat? Oder wie es auch 100 Jahre nach Kolping der evangelische Theologe Jürgen Moltmann sagte:

„Wer einen Menschen wieder zum Lachen bringt, der schließt ihm das Himmelreich auf“

Wer sagt: Wenn ICH meinen Fasching nicht so feiern kann wie ICH das will und wie ICH das gewohnt bin, der stellt sein ICH vermutlich zu sehr in den Vordergrund.

Hier passt auch ein anderes Wort Adolph Kolpings, meines Erachtens sein zentrales Vermächtnis: „Die Nöte der Zeit werden euch lehren, was zu tun ist“ Das ist der Auftrag, das „dynamische Leitbild“, wie wir es heute vielleicht nennen würden, ein sich stets erneuernder Auftrag: Nachdenken, Neudenken – Denken beim Handeln – Oder auf fränkisch: „Mach dei Aachn auf Doldi, siehste net, dass de gebraucht werscht“ Wenn es die Schwarze Elf jetzt seit über 66 Jahren gibt, dann ist genau dies der Grund: Weil diejenigen, die vor uns waren genau so waren, genau so und nicht anders gedacht haben: Uneigennützig, nichtegoistisch, werteorientiert, anpacken, das zu tun, was die Nöte der Zeit vorgeben….und außerdem: bei all dem darf man ja nicht vergessen, es macht uns ja trotzdem auch Spaß!

Ob auf hochdeutsch mit den Worten eines Wuppertaler Schuster-Pfarrers oder im Dialekt mit fränkischem Pragmatismus. So wollen wir unsere morgendliche Zwiesprache mit unseren Verstorbenen schließen, im Einklang mit Ihnen und im Gedenken an all das Gute und Schöne, das sie unserer Gemeinschaft gegeben haben, wollen mit Ihnen im Geiste vereint gemeinsam beten….