Totengedenken 2019

Guten Morgen liebe Freunde,

heute haben wir uns wieder getroffen, wieder, wie so viele Jahre in Oberwernn, wieder—getroffen, am Grab von Walter Zänglein. Aber wir wissen nicht wie lange wir das noch tun können, weil auch dieses Grab irgendwann aufgelöst wird, abgeräumt, wieder eingegliedert in den Verlauf, in den Kreis von Kommen und Gehen, der selbst auf einem Friedhof nicht halt macht.

Vielleicht wird der eine oder andere überrascht sein? Vielleicht bestürzt? Aber dennoch ist es normal, ist es ein ganz normaler Vorgang in unserem Dasein und macht uns, neben dem Tod an sich, bewusst, wie vergänglich, wie klein, und wie bescheiden doch unser Beitrag im Weltenlauf ist.

Das Grab ist weg, aber ist deshalb unser Gedenken, unsere Dankbarkeit unser fröhliches Erinnern an frohe Stunden auch weg?

Es geht bei unserem sonntäglichen Gedenken, mitten in der Hochphase unserer Sitzungen, nicht um das Grab, nicht um das Wirken besonderer Einzelner, nicht um eine besondere letzte Ruhestätte.

Hier ging es nie um Personenkult oder Festhalten an ewig Gestrigem. Aber um allen unseren Verstorbenen zu gedenken, brauchen wir einen Platz, ein äußeres Zeichen einen Kristallisationspunkt der uns gemeinsam verbindet.

Symbole sind sehr wichtig und wir haben mit dem Grab, mit dem schön gestalteten Grabkreuz und dem besonderen Spruch darauf ein solches äußeres Symbol gefunden.

Wenn irgendwann das Grab aufgelöst ist, wird unser Gedenken auf eine Probe gestellt werden. War es nur oberflächliches Festhalten an Gewohntem, war es nur Tradition, „Brauchtumspflege“ im schlechten Sinne, nämlich im Sinne eines einfachen Festhaltens an Ritualen ohne zu hinterfragen, ohne eine Sinnhaftigkeit anzumahnen?

Wir sind als Menschen geneigt das Kleine, das schnell Erfassbare, das Vordergründige zu pflegen und uns daran festzuhalten. Soll dieser Halt aber Bestand haben, müssen wir dem auch einen Sinn geben.

Der heilige Franz von Assisi hat bereits vor fast achthundert Jahren aufgezeigt wie es geht. Er, der sehr der Natur, der Schöpfung Verbundene, er hat in seinem Sonnengesang nicht die Einzelheiten der Natur, aufgezählt und gelobt. Er hat das große Ganze in einen familiären Zusammenhang gestellt und in einem literarischen Lobpreis zusammengefasst:

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest
. Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:

Gelobt seist du, mein Herr ,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.


Auch wir sind eine große Familie und in unserem Gedenken loben wir dies, was bisher von unseren Vorgängern gemacht, geschaffen geleistet wurde. In unserem Gedenken erinnern wir daran.

In diesem Jahr denken wir vor allem an Armin Schlör, an die vielen Momente mit ihm, der Faschingswagenbau, die Sommerfeste im Garten oder der Schlör’schen Scheune. Wir denken an Herbert Götz, der uns seit langen Jahren in seiner journalistischen Zeit stets gewogen war, und die letzten Jahre als einer von uns sich aktiv eingebracht hat.

Wir denken an alle, die uns jetzt in dieser Gruppe gedanklich präsent werden. Wir können dies, auch ohne äußeres Symbol tun, weil wir die Sinnhaftigkeit verstehen, weil wir wissen egal wo, egal in welcher Form wir an unsere Verstorbenen Freundinnen und Freunde denken, wird unser Gedenken ankommen.

So beten wir im Vertrauen auf Gott und ein Leben nach dem Tod ohne irdische Vergänglichkeiten…

Vater Unser….