2007

“Orden

Scheich Peter sinniert über Harems

Oberwerrn (06.02.2007) · Peter Kuhn ist einer der Stars bei der beliebten Fernsehsitzung „Fastnacht in Franken“. Der 44-Jährige brilliert mit politischen und gesellschaftskritischen Büttenreden. Ein Porträt.

Montagmorgen um 9 ist nicht die beste Zeit für einen Büttenredner. Der Abend war lang, die Nacht zu kurz, die davor auch, die Stimmbänder kratzen, und eigentlich schläft Peter Kuhn um diese Zeit noch den Schlaf der Gerechten. Aber Kuhn ist Profi und akzeptiert, dass sich gerade in den Tagen vor Veitshöchheim die Medien für ihn interessieren. Weil ihm die Fastnacht in Franken, nicht nur die im Fernsehen, am Herzen liegt, erzählt er also.

Wie er, der von Beruf Erzieher ist, aber eigentlich Theaterschauspieler werden wollte, in der Bütt landete. Es war Ende der Achtziger. Kuhn verkleidete sich mit einem Freund zum Fasching in seinem Dorf Oberwerrn (Lkr. Schweinfurt) als Mary und Gordy. Plötzlich kam die Idee, eine kleine Show zu machen. Die war ganz witzig, kam gut an. Ein Jahr später die erste Büttenrede beim Pfarrfasching, und schon im Jahr darauf hatte Kuhn seinen ersten Auftritt bei der Schwarzen Elf in Schweinfurt, einer der erfolgreichsten Gesellschaften in Franken mit neun Sitzungen und an die 5000 Zuschauern.

Seine „schlaflosen Nächte“ waren ein phänomenaler Erfolg, sagt er heute. Nicht primär politisch, aber schon voller Anspielungen. Die kamen so gut an, dass er 1992 zu „Fastnacht in Franken“ geladen wurde. Mit dem Fernsehen kam die Bekanntheit. Heute hat Peter Kuhn 30 bis 40 Auftritte in der Saison, in ganz Franken, mit Abstechern bis nach Wiesbaden, Frankfurt und Schwetzingen.

Die eigentliche Arbeit beginnt Wochen vorher, im Dezember, wenn die Jahresrückblicke das Fernsehen beherrschen. Kuhn schaut, was Thema war, was die Leute bewegte. Der schwierigste Moment ist, eine Figur zu finden, die diese Themen glaubhaft rüberbringen kann. In diesem Jahr sollte es eine Figur aus dem Islam sein. Ein Mullah schien zu problematisch, aber warum nicht den guten alten arabischen Scheich.

Stoiber war übrigens nicht eingeplant. Peter Kuhn war gerade dabei, seine Rede zu schreiben, als sich die Ereignisse in München überschlugen. Das konnte er nicht ignorieren, auch nicht als Scheich. So sinniert er also über Harems, Frauen und die Tatsache, dass manchmal eben auch schon eine zu viel sein kann. Tusch, Gelächter. Kenner Kuhn'scher Reden lieben gerade das Unausgesprochene. Den Witz zwischen den Zeilen. Das Publikum kann selbst denken, sagt er, man braucht es nicht für blöd zu verkaufen. Auch dafür lieben ihn seine Fans und sind bei seinen Auftritten mucksmäuschenstill. Er dankt es ihnen mit immer neuen Überraschungen. Zum Beispiel 2002. Kein Büttenredner traute sich an den 11. September. Bis auf einen. Wochenlang überlegte Peter Kuhn, wie er das heiße Eisen anpacken könnte. Bis ihm die Formulierung einfiel „was alles pervers in dieser Welt ist“. Beziehungsweise dafür gehalten wird, wie Transvestiten beispielsweise. Schon hatte er seine Figur. Ein Transvestit, der munter daherplaudert, und plötzlich die Bombe fallen lässt: den 11. September. Erst mal erstarrtes Schweigen im Publikum, erinnert sich Kuhn, und dann minutenlanger Beifall.

In seiner Rolle als Scheich wirbt er übrigens für mehr Toleranz zwischen den Religionen. Tabus bricht er nicht, und so gibt es auch keinen Grund, seinen Auftritt aus Sicherheitsgründen abzusagen, wie es eine Fastnachtsgesellschaft getan hat. Namen will Kuhn keine nennen. Denn der nächste Fasching kommt bestimmt.

Das Bayerische Fernsehen sendet die „Fastnacht in Franken“ am Freitag ab 19 Uhr live aus Veitshöchheim.

© Katharina Winterhalter
Quelle: Volkszeitung Schweinfurt