2003

“Orden

Klamauk allein wäre zu wenig

Die Höhepunkte des Faschings stehen vor der Tür und einer der bekanntesten Büttenredner Unterfrankens an dieser Stelle Rede und Antwort: Peter Kuhn, 40, von Beruf Erzieher im Haus Marienthal, seit 1991 bei der "Schwarzen Elf" in der Bütt. Heuer geht er in seine 13.Kampagne. Der gebürtige Bad Mergentheimer ist in Oberwerrn zu Hause.

frage: Herr Kuhn, Sie gelten als einer der besten Narren des unterfränkischen Karnevals. Wie sind Sie in die Bütt gekommen, was war der Anstoß?

peter kuhn: Das war 1990. Die Schwarze Elf suchte, insbesondere nach dem Tod von Walter Zänglein, dringend Leute, die nicht nur vortragen, sondern auch selber schreiben. Roland Breitenbach war mit meiner damaligen Nachbarin schwimmen und fragte sie, ob sie in Oberwerrn nicht jemand kennt, der da in Frage käme. Sie hat gesagt, "Jawohl, haben wir" und hat mich weiter empfohlen. Ich hatte ja bis dahin mit Fasching ja überhaupt nichts am Hut, das war für mich fremde Materie. Aber ich habe gedacht, ich probier's mal und mich mit Roland Breitenbach in Verbindung gesetzt. Der Versuch war erfolgreich - und

Die "Schwarze Elf" hat ihren Ruf als beste der Schweinfurter Karnevalsgesellschaften nicht zuletzt einem "Star" wie Ihnen zu verdanken. Sie gelten als geschliffener, anspruchsvoller, ja intellektueller Redner unter den Narren. Sehen Sie sich auch so?

Nicht unbedingt als intellektueller, als anspruchsvoller ja. Ich denke, wenn Fasching nur aus Humtata und Klamauk bestünde, wäre das zu wenig. Das gehört auch dazu, aber Fasching ist mehr als bloßer Klamauk. Das Hintergründige, das Gesellschaftskritische versuche ich wieder reinzubringen und ich merke an der Reaktion der Leute, dass sie das durchaus wollen, es kommt an. Man kann nicht den ganzen Abend damit bestreiten, Klamauk gehört natürlich dazu, doch auch der Geist muss ein wenig befriedigt werden.

Zweifellos bewegt sich Ihr Humor nicht im Lendenbereich. Hat man's damit schwerer als andere?

kuhn: Man hat's schwerer, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu kriegen. Natürlich können schneller Lacher erzielt werden, wenn man direkt unter die Gürtellinie geht. Das merkt man immer wieder an anderen Vortragenden. Nur, diese Lacher sind sehr vordergründig. Die Masse lacht, und vielleicht schämen sich ja manche auch, wenn sie später nach Hause gehen. Oder der Gag ist schon wieder vergessen. Bei meiner Art von Vorträgen ist es sicher schwieriger zum Lachen zu kommen, aber es könnte sein, dass das Lächeln oder Schmunzeln im Hintergrund ein bisschen länger nachklingt.

Ist der Humorist ihres Naturells nicht öfters auch Moralist?

kuhn: Manchmal ja. Zwangsläufig. Wenn ich mich mit der Politik und vor allem mit der Gesellschaft auseinandersetze, kommt man nicht umhin, auch moralische Standpunkte zu beziehen. Von irgendwo aus muss man ja reden, deshalb muss man manchmal auch Moralist sein.

frage: Welche Themen sind es denn, die sich in der aktuellen Session einem Peter Kuhn förmlich aufdrängen?

Da wären auf der politischen Ebene sicher die falschen Versprechen des Herrn Schröder, die Energie-, Konzept- und Planlosigkeit der Regierung. Dann wäre nach wie vor der Herr Möllemann aktuell, der immer noch für Wirbel sorgt. Da wäre weiter - obwohl ich mich normalerweise auf die Bundespolitik beschränke - der drohende Irak-Krieg. Interessant fände ich auch irgendwann das Thema Klonen. Da wäre ich dann wieder Moralist.

Sie und der Gochsheimer Wolfgang Düringer, der ein ganz anderes Naturell verkörpert, repräsentieren die Schweinfurter Region auch im unterfränkischen Fernseh-Fasching in Veitshöchheim. Muss man sich dafür anders vorbereiten als auf eine "normale" Sitzung?

kuhn: Nein, ich bereite mich auf eine Fernseh-Sitzung nicht anders vor als auf eine normale. Ich habe das Glück, dass ich aktuelle Reden bringe und deshalb erst kurz vor der Sitzung vorlegen muss. Andere müssen das schon Monate vorher.

Sind Sie auch heuer wieder in Veitshöchheim dabei?

kuhn: Ja, Wolfgang Düringer auch.

Was ist es, das einen Kuhn von einem Düringer unterscheidet?

kuhn: Ich denke mal, der Wolfgang bedient, wie am Anfang geschildert, den Klamauk. Er bedient das pure Lachen, das Gelächter, er macht die Menschen froh, er heizt ein. Er ist auch eine ganz andere Person, allein von seinem Aussehen her. Wenn er auf der Bühne steht, müssen die Leute schon lachen, egal welche Figur er gerade verkörpert. Er ist ein hervorragender Darsteller und selbst älteste Kamellen bringt er so rüber, dass man, obwohl man die Pointe kennt, trotzdem lachen muss. Bei mir ist das halt anders. Da muss man ein bisschen mitdenken. Er ist direkter, ich bin indirekter.

Sind anspruchsvolle Karnevalisten nicht verschämte Kabarettisten? Könnten Sie sich als eine Art Erwin Pelzig von Schweinfurt vorstellen?

kuhn: Nein. Beim Kabarett, wie ich es verstehe, das auf die Tagespolitik und das Aktuelle Bezug nimmt, muss man manchmal sehr schnell sein und schnell schreiben. Da tue ich mir schwer, weil ich eher ein langsamer Schreiber bin. Es gibt sicher Überschneidungspunkte zwischen Kabarett und Fasching, aber man hält diese Bereiche getrennt.

Könnte man Sie auch für private Anlässe mieten, wenn man möchte?

kuhn: Ja.

Im 13. Jahr des Narr-Seins: Wie lange wollen Sie noch in die Bütt steigen?

kuhn: Solange es noch Spaß macht, solange das Umfeld stimmt - die Atmosphäre, der Zusammenhalt, solange mir was einfällt und das Publikum mich sehen will - solange bleibe ich dabei.

Das Interview führte Stefan Sauer
© Stefan Sauer
Quelle: "Schweinfurter Volkszeitung" vom 17.01.2003