Erinnerungen an unsere Ehemaligen


„Der hat sein Leben am besten verbracht, 
der die meisten Menschen hat froh gemacht.”

Das Grab von Walter Zänglein

Jedes Jahr zur Mitte der Faschingssession treffen sich die Aktiven am Grabe Walter Zängleins, um allen Verstorbenen der Gemeinschaft zu gedenken. Ein kurzes Innehalten in der Meditation, im Gebet soll das Gedenken wach halten und den Blick gerade richten für die wahrhaft wichtigen Dinge des Lebens. Die diesjährige kurze Andacht sei hier im Wortlaut wiedergegeben.


Totengedenken 2011

Froh und glücklich machen, trösten und erfreuen, ist im Grunde doch das Glücklichste und Beste, das der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann.

Adolph Kolping

Ein Stück von dem, was Adolph Kolping mit den ihm eigenen, etwas holprigen Worten beschreibt, dürfen wir dieser Tage erleben. Jeden Abend bei unseren Sitzungen stellen wir fest, wie nach und nach die Menschen ihre noch mitgebrachten Sorgen des Alltags vergessen, wie sie mehr und mehr loslassen und sich einem herzhaften, fröhlichen erfreuten Lachen hingeben.

Lachen verbindet

Wenn Fremde sich in einem Lachen begegnen, wenn auch keiner des anderen Sprache spricht, so können sie doch gemeinsam über das gleiche Lachen

Lachen vereint

Gemeinsames Lachen ist ein Gemeinschaftserlebnis der besten Art, es wird zu einer gemeinsamen Sache all derer, die sich über etwas freuen, es schafft Gemeinschaft

Lachen stellt blos

Oft ist es das gemeinsame Lachen, das bisweilen die Belanglosigkeit und Nichtigkeit von Dingen blos stellt, denen wir viel zu viel Bedeutung beigemessen haben

Lachen versöhnt

In einem gemeinsamen Lachen fällt es uns leichter den ersten Schritt auf dem Wege einer Versöhnung zu gehen, lächelnd zurückzutreten von festgefahrenen Standpunkt

Das Lachen scheint uns ein klein wenig, wie ein winziges Mosaiksteinchen, zu zeigen wie es in einer Welt nach dem Tod aussehen könnte, ein Stück positiv gleichmachendes das Grenzen verwischt und Frieden schafft.

Aber es ist uns nicht immer zum Lachen.

Es gibt Momente, da wird es kalt, auch wenn die Sonne scheint, eisige Kälte die uns ergreift, wo uns das Lachen erstirbt.

Wenn gute Freunde uns verlassen,

Froh und glücklich machen, trösten und erfreuen, ist im Grunde doch das Glücklichste und Beste, das der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann.

In diesem Jahr besonders gefordert als Tröster beim Tod unserer Freunde Rolf Rüger und Wolfgang Lieblein, Martin Weber und unseres Ehrensenator Fritz Hermann.

Sie alle haben, jeder auf seine Weise und mit ihren ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln mitgeholfen, Lachen zu schenken, Mosaiksteinchen der Freude in Lebensbilder zu setzen.

Es gibt Momente, da wird es kalt, auch wenn die Sonne scheint

Für uns ist es Kälte, eisige Kälte trotz Sonnenschein. Sie haben die Kälte überwunden. Ihre Welt ist beseelt von ewigem Sonnenschein, von dem friedlichen, glücklichen Zusammensein, das wir uns Mitmenschen nur stückchenweise zu geben vermögen weil wir uns zu sehr von oberflächlichen Dingen ablenken und vereinnahmen lassen.

So können uns diese Minuten des Nachdenkens in zweierlei Hinsicht helfen. Zum einen erfüllen wir unser gern gegebenes Versprechen das Gedenken unserer Verstorbenen Mitstreiter, deren wir uns gerne erinnern zu wahren. Zum anderen können wir für uns, für unser tägliches Miteinander daraus lernen und mitnehmen was Adolph Kolping uns gesagt hat:

Froh und glücklich machen, trösten und erfreuen, ist im Grunde doch das Glücklichste und Beste, das der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann.

In dieser Zuversicht beten wir: Vater unser...


Totengedenken 2009

Oft geht es uns so, dass man während oder nach der Saison sagt, dies hätte man tun können, das wäre gut gewesen, jenes hätte gepasst. Aber es macht nichts, nächstes Jahr ist auch noch eine Kampagne, man kann es ja dann noch nachholen, auch dann noch ausprobieren.

Mit den Menschen ist es anders. Wenn wir eine Freundin, einen Freund einen Mitstreiter verlieren, dann haben wir nicht mehr die Möglichkeit etwas nachzuholen.

Eine gutes Wort für ihre Leistungen …
Eine Anerkennung für sein Bemühen…
Eine Geste des Entgegenkommens in einem Streit….
Ein Zeichen der Versöhnung wo tiefe Gräben sind…..

Warum tun wir es nicht einfach, warum ist es für uns Menschen so schwer den ersten Schritt zu gehen ? Warum rufen wir dies alles erst „nach", wenn wir am Grab stehen ? Warum erst, wenn der oder die andere sich bereits dort befindet, wo unsere menschlichen Regeln außer Kraft gesetzt sind, wo sie oder er längst diese Größe erreicht haben, der wir hier auf Erden so unzulänglich hinterherstolpern?

Vielleicht ist es gerade dieses , was uns beim Gedenken an unsere Verstorbenen bewusst werden soll. Vielleicht ist es am Ende gar nicht so, dass wir hier für die Verstorbenen etwas tun, sondern dass sie uns, den Lebenden, hier die viel größere Botschaft zu geben haben als wir Ihnen je hinterherrufen können.

Lieber Gott…

Nicht immer herrscht Freude
- Manchmal will uns die Traurigkeit erdrücken
Nicht immer herrscht Freundschaft
- Manchmal hat uns die Gleichgültigkeit im Griff
Nicht immer tun wir das Richtige
- Manchmal lassen wir das Nötige unbeachtet liegen

Wäre es nicht das beste Totengedenken,
wenn wir das, was wir Ihnen nicht mehr geben konnten anderen zuteil werden lassen?
Wäre es nicht die beste Ehrung der Toten,
wenn wir das Gute, was wir bei Ihnen versäumt haben, bei der nächsten Gelegenheit nachholen?
Wäre es nicht die größte Anerkennung für unsere Verstorbenen,
wenn wir die kleinen Gesten der Versöhnung, auf Erden, bei den Lebenden, praktizieren?

Wie mehr könnten wir sie Ehren, als durch die ersten Schritte, die wir anderen entgegengehen, weil bei Ihrem weggehen uns so viel Versäumtes bewusst wurde?
Vielleicht ist es nur ein Traum, vielleicht sind es nur die Frühe der Stunde, die Kürze des Schlafes, die einem auf solche Gedanken bringen, vielleicht ist es nur ein Traum?

Im Gedicht heißt es:

Solange wir Träume haben, leben wir.
Solange wir leben, geben uns Träume Hoffnung.
Solange es Hoffnung gibt, haben wir keine Angst vor der Zukunft.
Die Zukunft liegt in unseren Händen.
Träumen wir sie nicht nur, sondern erleben wir sie.
© 2000 Petra Heierhoff

Nicht wo der Himmel ist, ist Gott, sondern wo Gott ist, ist der Himmel,

So wollen wir gemeinsam für unsere Gemeinschaft, die Gemeinschaft der Lebenden und Verstorbenen beten:

Vater unser…..


Totengedenken 2008

Was dich im Nachhinein quält
Laß es sein.
Was du sein willst
Liegt vor dir.

(Theresia Hauser)

Wir sind auch heute wieder zusammengekommen um einen Moment innezuhalten, um außerhalb des Trubels der uns unweigerlich in dieser Zeit umgibt derer aus unserer Gemeinschaft zu gedenken, die uns in unserem Lebensweg vorausgegangen sind. Ich finde es auch schön und angemessen, in welcher Form wir dies tun. Ohne den Pomp des Faschings, ohne das Laute, ohne dass irgendwer im Vordergrund steht oder sich in den Vordergrund stellt. Am Ende, irgendwann, werden wir, wie unsere Freunde derer wir gedenken, nichts mitnehmen von all den Äußerlichkeiten, doch trotzdem werden wir etwas dabei haben, das uns an diese Zeit erinnert. Die vielen guten Freundschaften in unserer Gemeinschaft, das Bewusstsein, vielen Freude bereitet zu haben. Der heilige Augustinus hat es einmal so gesagt:

Die Seele nährt sich von dem woran sie sich freut

Jemandem tiefe, wahrhaftige Freude zu bereiten, Nahrung für die Seele zu sein, was kann es schöneres geben ? Unsere Freundinnen und Freunde an die wir uns in diesem Moment erinnern, haben hierzu ihren Teil beigetragen, jeder und jede an ihrem Platz. Das muss nicht auf der Bühne sein. Eine helfende Hand, wenn die Arbeit ruft, ein ausgleichendes Wesen, wenn Streit eine Freundschaft bedroht, ein unterstützendes Gespräch, wenn die Belastung droht einem zu erdrücken.

Nahrung für die Seele kann so vielfältig und abwechslungsreich sein wie Nahrung für unseren Körper, Nahrung für die Seele tritt in so vielen Varianten auf, wie die dicksten Kochbücher sie nicht beschreiben können.

So richten wir uns heute mit unserem Gebet und unseren guten Wünschen an die Seelen unserer verstorbenen, in der Gewissheit, dass etwas bleibt von dem was Freude und Freundschaft ausmacht, dass es auch, in welcher Form auch immer, Verbindungen über den Tod hinaus gibt, die sich gegenseitig Nahrung sein können.

So wollen wir mit den Segensworten aus dem heutigen Gottesdienst von Roland und Stefan wünschen und beten in der Gemeinschaft der hier und dort Lebenden:

Der Ruf Gottes komme dir heute entgegen: in einem Lächeln, in einem guten Wort, in einem ermutigendem Blick, in einer hilfreichen Hand, in einer liebevollen Umarmung, in einem tiefen Schweigen.

Vater unser...


Totengedenken 2007

„Sie oder Er ist mit Herzblut dabei“ ein Ausspruch den man immer dann hört, wenn jemand mehr gibt als man als reine Arbeitsleistung erwarten würde. Das nüchterne Maß dessen, was zu leisten ist wird übertroffen, nicht messbar, aber fühlbar. Herzblut wird nicht gemessen, entweder man spürt es oder nicht, es gibt hier kein dazwischen. Gerade in unserer Gemeinschaft meine ich dieses Herzblut sehr oft zu verspüren. Einsatz nicht nur mit den Händen, Einsatz mit dem Herzen. Einsatz der freiwillig gegeben wird, der auf keiner Schuldentafel steht, Einsatz der keine Pflicht ist, aber trotzdem Jahr für Jahr vorbehaltlos gegeben wird.  Freundschaften die bestehen, nicht weil man sich mit langen, floskelhaften Worten der Treue und Freundschaft verpflichtet, sondern weil man sich ohne Worte so gut versteht, weil die Wellenlänge passt, ohne dass es eines äußeren Zwanges bedarf.

Die Signale des Herzens schlagen im gleichen Rhythmus, das Gesamte, die Gesamtheit unserer Gemeinschaft ist mehr als die sachliche Summe der Einzelheiten, der Einzelkräfte, der einzelnen Taten. Vom Fußball her ist bekannt, dass eine Ansammlung von Stars noch keine Mannschaft bildet. Erst das Team, der Teamgeist macht den Erfolg aus.

Wir haben Teamgeist, wir haben Herzblut.

Ähnlich haben Roland und Stefan es in einem ihrer letzten Sonntagsgottesdienste in der Meditation mit den Worten Laotses sehr treffend wiedergegeben:

Pflicht ohne Liebe macht verdrossen,
Wahrheit ohne Liebe macht kritiksüchtig,
Erziehung ohne Liebe macht eng,
Klugheit ohne Liebe macht gerissen,
Verantwortung ohne Liebe macht einseitig,
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart,
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch,
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich,
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch,
Macht ohne Liebe macht gewalttätig,
Ehre ohne Liebe macht gierig,
Besitz ohne Liebe macht geizig,
Glaube ohne Liebe macht fanatisch.

Gerade weil wir die Liebe, weil wir das Herzblut, weil wir den Teamgeist haben, trifft es uns auch schwer, wenn jemand aus dieser Gemeinschaft uns verlassen muss. Im letzten Jahr waren dies unsere Mutter Luise Paul und der erst letzte Woche verabschiedete Josef Kronewald. Sie haben uns verlassen und sind einen Weg gegangen, von dem wir zwar überzeugt sind, dass er ins Gute, ins Licht führt, von dem wir aber auch wissen, dass wir ihnen nicht folgen können. Wir müssen sie dorthin alleine entlassen. Was wir aber tun können ist beten. Zum Beispiel in Form dieses alten irischen Segenswunsches:

Den tiefen Frieden
Im Rauschen der Wellen wünsche ich Dir
Den tiefen Frieden
Im schmeichelnden Wind wünsche ich Dir
Den tiefen Frieden
Über dem stillen Land wünsche ich Dir
Den tiefen Frieden
Unter den leuchtenden Sternen wünsche ich Dir
Den tiefen Frieden
Vom Sohne des Friedens wünsche ich Dir

So wollen wir in der Gewissheit, dass unsere Bitte, unser Segen, die Verstorbenen erreicht gemeinsam beten:

Vater unser...


Totengedenken 2006

Wie jedes Jahr haben wir uns hier versammelt, um unserer Toten zu Gedenken. Der raue Wind, die Kargheit des Winters und die, zumindest für uns in der Faschingszeit, frühe Stunde, lassen jeden von sich aus nachdenklich und in sich gekehrt werden.

Diese Minuten des Gedenkens stehen im krassen Gegensatz zu dem lustigen, lauten Treiben, das wir aus den letzten Tagen gewohnt sind.

Aber gerade dies ist das Gute daran: Mitten im Trubel die nachdenkliche Zeit, mitten im Lärm die Auszeit der Stille, mitten im oft oberflächlichen Treiben die Tiefe der Gedanken.

Ich denke, es ist gut so, dass wir diesen Zeitpunkt gewählt haben und nicht einen, der besser „passen“ könnte. Denn auch unsere Verstorbenen hatten nicht die Wahl des anscheinend passenden Augenblicks. Gerade im letzten Jahr mussten wir dies schmerzhaft erfahren. Und doch sehen wir als Christen auch dies vielleicht mit etwas anderen Augen.

Hannelore Frank drückt es so aus:

Hoffnung-
Das Vertrauen, dass noch etwas kommt,
fast gegen die Vernunft
und sämtliche Erfahrung.

Hoffnung-
Das Vertrauen, dass Gott handeln wird
Und uns nicht aufgibt,
nicht einmal im Augenblick des Todes.
Wenn es einen Grund gibt,
fröhlich jeden Tag zu leben
- leichten oder schweren Tag, gleichviel -,
dann diese Hoffnung.
Eine andere kenne ich nicht.

Ossi Osmanovic, Luba Kirici, Hubert Kirchner, Thomas Freckmann, Christian Kämpf.

Den Verstorbenen des letzten Jahres wollen wir besonders gedenken. Wir erinnern uns an sie, an ihre Herzlichkeit mit der sie uns begegneten; an ihre Gewogenheit, mit der sie uns beschenkten; an ihre Freudigkeit die sie auf uns übertrugen. Es sind selten die großen Taten, die uns in Erinnerung bleiben, sondern die Begegnungen im Kleinen.

Martin Buber sagt: „Hier wo wir stehen gilt es, das verborgene göttliche Leben aufleuchten zu lassen.“

Jeder war an seinem Platze für uns von Bedeutung, in vielen kleinen Dingen konnte man das göttliche Leben aufleuchten sehen. In dieser, auch über den Tod hinausgehenden dankbaren Verbundenheit, beten wir nun für alle unsere Verstorbenen, gemeinsam:

Vater unser...


Totengedenken 2004

„Der hat sein Leben am besten verbracht, der die meisten Menschen hat froh gemacht.“

Es ist normal und nicht ungewöhnlich, dass wir, noch dazu in dieser Jahreszeit, dabei eigentlich nur an den Fasching denken. Richtig ist es natürlich, denn unser Fasching, er soll den Menschen Freude, er soll sie ein Stück froh machen. Vergessen sollten wir dabei aber nicht, dass dies nicht nur im Fasching, nicht nur mit dem Bühnenerfolg zu machen ist. Menschen froh machen können wir auch innerhalb unserer Gemeinschaft, ohne dass wir auf der Bühne stehen, ohne dass wir den Bühnenerfolg an die oberste Stelle rücken. Oft können wir das eher durch das Gegenteil erreichen, nämlich gerade dass wir zugunsten eines Menschen auf den großen Erfolg verzichten, dass wir Schwächen akzeptieren und manchmal auch bewusst in Kauf nehmen, weil wir dadurch einen Menschen froh machen. Weil sich dieser Mensch freut dabei sein zu dürfen, auch wenn er keine Höchstleistung vollbringen kann.

Wir können Menschen froh machen, indem wir uns nicht mit zwischenmenschlichen Reibereien belästigen lassen, indem wir nachgeben, übersehen und Unzulänglichkeiten verzeihen. Der Gewinn den wir dabei erzielen ist um ein vielfaches höher als der, den wir hätten, wenn wir aus einer Prinzipienreiterei als vermeintlicher Sieger hervorgehen.

Wenn wir auf diese Art und Weise vorgehen, wenn wir so Menschen froh machen, im täglichen Umgang miteinander, dann ergibt sich vieles wie von alleine, dann entsteht echte Gemeinschaft, dann wächst Freundschaft.

Wir haben und hatten in unserer Gemeinschaft beide Sorten von Frohmachern, die auf der Bühne und auch die hinter der Bühne. Freunde zu deren Gedenken wir heute morgen hierhergekommen sind, um die Verstorbenen nicht zu vergessen, und um für uns klar zu machen, dass es zwischen all dem vordergründigen auch andere, wichtigere Dinge gibt.

Martin Luther hat gesagt:
Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, dass er tausendmal dafür sterben würde. Und solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich, trotzig und lustig gegen(über) Gott und alle Kreaturen; das wirkt der heilige Geist im Glauben.

Im Vertrauen auf diese Gnade Gottes, auf das wirken des Geistes auch unter uns beten wir:

Vater unser...


Totengedenken 2003

Wir sind heute hier, um nach gutem Brauch, während der Faschingskampagne, unserer verstorbenen Mitstreiter und Helfer zu gedenken. Wie gesagt, nach gutem Brauch und nicht etwa aus Gewohnheit, ein feiner, doch wichtiger Unterschied. Dabei soll niemand besonders herausgehoben werden, keine Taten im besonderen gewürdigt, werden, denn man würde den Verstorbenen schwerlich gerecht werden können. Denn, die Auswahl der Personen, die Auflistung der Leistungen, sie könnte nie richtig und vollständig sein, denn mehr als in jedem anderen Verein wird bei uns Arbeit im Stillen, im Hintergrund gemacht, ohne großes Aufhebens, vieles ohne dass je ein anderer davon erfährt.

Deshalb wollen wir im Gedenken an die Toten nicht für die Einzelleistung danken, sondern für den Geist, den sie uns vermittelt haben, der unsere Gemeinschaft prägt. Den Geist der Freude am Freude bereiten, dem Geist des Einsatzes für die Sache und dem Geist der Freundschaft und des Zusammenhalts.

Schwarze Elf ist mehr als ein Verein, es ist eine Einstellung.

Diese haben unsere Verstorbenen mitgeprägt oder zumindest mitgetragen, das eine so wichtig wie das andere, jeder wie es ihm seine ihm mitgegebenen Fähigkeiten gestatteten. So stehen wir hier, um daran, und unserer Verstorbenen zu gedenken.

Ich denke hier besonders an Herbert Heidrich, der uns im letzten Jahr verlassen hat. Beim Besuch zu seinem 70. Geburtstag war dieser Geist deutlich zu spüren. Ohne dass man je zusammen mit ihm auf der Bühne, oder sonstige Dinge gemeinsam gemacht hätte, fühlte man sich einig, zusammengehörig, als hätte man all die Zeit gemeinsam erlebt.

Wir dürfen dabei ruhig ernst sein. Wir müssen nicht zwanghaft lustig sein. Wir sind zwar eine Spaß machende, jedoch keine „Spaßgesellschaft“.

Nur wer traurig sein kann. Kann auch lachen, nur wer Trauer fühlt kann auch Freude empfinden.
Nur mit Gefühl, mit Fühlsamkeit, werden wir andere verstehen.

So dürfen wir guten Gewissens hier stehen, um in der kalten Winterluft, in der kargen Landschaft unsere Gedanken zu ordnen, eingedenk unseres daseins, um im Vertrauen auf Gott zu beten:

Vater unser...


Totengedenken 2002

Wie seit bereits vielen Jahren sind wir auch heute zusammen gekommen, um derer zu gedenken, die vor uns den Weg ins Reich Gottes gegangen sind, die, wie wir jetzt, ihren festen Platz in unserer Gemeinschaft hatten, nun aber von Gott abberufen sind.

Die Einfachheit, die Schlichtheit der Umgebung im Winter, reduziert auf das karge Notwendige, kann für uns Symbol und Anlass sein uns daran zu erinnern, aus welchem Geist wir leben, aus welchem Geist auch unsere Gemeinschaft leben sollte.

Nicht das Laute, das Vordergründige sollte zählen, sondern der tiefere Zusammenhalt durch Freundschaft,
die hilft,
die vertraut,
die verzeiht und
die den anderen so annimmt, wie er ist.

Dieser von Gott gegebene und von Jesus Christus vorgelebte Geist des guten Miteinanders, er ist es, der uns in der Gegenwart, im Leben verbinden sollte, er ist es auch, der uns die Verbindung zu unseren Toten schafft, der uns ihrer alljährlich gedenken lässt.

So beten wir voller Hoffnung:

Gott du bist es auf den wir unsere Hoffnung setzen. Du hast durch Leben, Tod und Auferstehung deines Sohnes die Welt erneuert. Von daher bekommt unser Leben Sinn und Richtung. So erwarten wir für uns und unsere Verstorbenen Vergebung, Heil und künftige Herrlichkeit. Hilf uns in dieser Hoffnung zu leben.

So wollen wir zum Schluss gemeinsam beten:

Vater unser...


Totengedenken 2000

Wenn ein Mitglied eines Vereins oder einer Gemeinschaft verstirbt, dann ist oft der Satz zu lesen oder zu hören:"Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren". Ich möchte nicht in Frage stellen, dass dies nicht ehrlichen Herzens auch so gemeint ist, aber der Alltag, das Zurückfallen in die Routinen, das sogenannte "The Show must go on" verdrängt oft die ehrlich gemeinten Wünsche.

Ich bin deshalb froh, dass wir in unserer Gemeinschaft mit dem Besuch am Grabe Walter Zängleins ein Ritual, einen Brauch, einen guten Brauch gegen das Vergessen gefunden haben. Es geht dabei nicht um Glorifizierung und es geht nicht darum in der Vergangenheit festzuhängen. Es geht bei unserem morgendlichen Gedenken einfach um die schlichte Erfüllung des ehrlichen Herzens gesprochenen Satzes "Wir werden Ihnen ein ehrendes Andenken bewahren".

So wollen wir dankbar all jener aus unserer Gemeinschaft gedenken, die in Frieden von uns gegangen sind. Vorbilder, Freunde, Bekannte, vielleicht auch nur Namen, von denen wir aber sicher wissen, dass jeder seinen ihm möglichen Teil dazu beigetragen hat, anderen eine Freude zu bereiten, anderen die Kraft eines glücklichen Momentes zu schenken.

So wollen wir im Vertrauen auf Gott und unseren christlichen Glauben, gemeinsam für und mit unseren Verstorbenen beten:

Vater unser...


Andacht am Grab von Walter Zänglein in Oberwerrn

 

© Heinrich A. Stöcker 1998-2012