Erinnerungen an unsere Ehemaligen


„Der hat sein Leben am besten verbracht, 
der die meisten Menschen hat froh gemacht.”

Das Grab von Walter Zänglein

Jedes Jahr zur Mitte der Faschingssession treffen sich die Aktiven am Grabe Walter Zängleins, um allen Verstorbenen der Gemeinschaft zu gedenken. Ein kurzes Innehalten in der Meditation, im Gebet soll das Gedenken wach halten und den Blick gerade richten für die wahrhaft wichtigen Dinge des Lebens. Die diesjährige kurze Andacht sei hier im Wortlaut wiedergegeben.


 

Totengedenken 2016

Wir haben uns heute wieder einmal getroffen, um gerade in dieser Zeit, die für uns am intensivsten, am mit Terminen und, wie man heute so schön sagt „To Do’s“ vollbepacktesten ist, zu treffen. Wir wollen uns treffen, um unserer Verstorbenen zu gedenken. Einen Moment die Zeit anhalten, alles Anstehende in den Hintergrund treten zu lassen, für einen Moment in der Andacht verharren und uns bewusst denen nähern, die heute nicht mehr da sind.

Es sind nicht diejenigen, die nicht da sind, weil sie keine Zeit hätten, nicht weil anderes zu erledigen wäre, nicht weil sie vielleicht verreist oder weggezogen wären. Es sind diejenigen, die diese Welt verlassen haben für immer, endgültig. Gerade in unserer Zeit ist es schwierig sich mit dieser Endgültigkeit abzufinden, endgültig ist ein unbeliebtes Wort, in einer Zeit des „Geht nicht, gibt‘s nicht“.

Aber wie können wir mit dieser Endgültigkeit umgehen, einer Endgültigkeit, die wie in Beton gegossen als riesige Wand vor uns steht?

Ich denke ein ganz entscheidender Teil ist dieses Gedenken, oder um es moderner auszudrücken, dieses Erinnern, das wir pflegen.

Dem großen Staatsmann Cicero wird der Satz zugeschrieben, vor über 2000 Jahren gesagt, auch das ist beachtlich:

Das Bewusstsein eines erfüllten Lebens
und die Erinnerung an viele schöne Stunden
sind das größte Glück auf Erden

So wollen wir uns heute erinnern an viele schöne Stunden mit denen, die uns vorausgegangen sind. Das müssen nicht die großen Geschehnisse auf der Bühne sein, vielmehr sind es doch allzu oft die kleinen Momente am Rande, die uns näher zusammenbringen, die uns in Erinnerung bleiben.

So wollen wir in diesem Jahr auch besonders unserem Bruno Wawrzik und Ludwig senior, dem Paul’s Vadder, gedenken.

Ich bin der Überzeugung, dass wir durch dieses Erinnern und Gedenken, auch diese Grenze ins Jenseitige ein wenig überbrückbar machen, dass wir uns wieder näher sind.

Gestern, als diese turbulente Sitzung mit Totalstromausfall vorbei war, habe ich mir gedacht, was hätten wohl unsere beiden alten Herren dazu gesagt? Sie wären wahrscheinlich sitzen geblieben, hätten gestaunt, hätten sich daran gefreut wie hier alle wie ein großes Ganzes zusammengewirkt haben.

Ein weiterer Ausspruch wird Cicero zugeschrieben:

Einen sicheren Freund erkennt man in einer unsicheren Situation.

Gestern haben alle als sichere Freunde bestens zusammengewirkt, gestern hat der Geist gewirkt, in dem auch unsere beiden Verstorbenen in ihrem Leben gewirkt haben. Und so haben wir eine große Verbindung geschaffen, hier untereinander und bestimmt auch zu allen, die vor uns waren. In diesem Gedenken an ein Wirken, auch über den Tod hinaus wollen wir beten:

Vater unser …


 

Totengedenken 2015

Liebe Freunde,

alljährlich treffen wir uns hier am Grab von Walter Zänglein um aller unserer Verstorbenen zu gedenken. Ein kurzes Innehalten, den Kopf heben im rasanten Flug der Kampagne, ein Atemholen, um an diejenigen zu denken, die Wege bereitet oder gelegte Wege gefestigt haben.

Ein landläufiges Sprichwort meint:

Anerkennung ist eine Pflanze, die nur auf Gräbern gut gedeiht

Mag es hier und da zutreffen, so meine ich: Bei uns sicherlich nicht! Wenn wir heute hier stehen und unseren Verstorbenen Anerkennung, Dank und Gedenken zollen, so tun wir dies nicht, um Versäumtes nachzuholen. Wir tun es um das, was wir an ihnen schätzten, das wofür wir sie mochten, das was sie für uns zu Freunden machte, in Erinnerung zu behalten. Wir lösen auf diese Art und Weise unser Versprechen ein ihnen ein ehrendes Andenken zu bewahren. Und es fällt uns ja auch nicht schwer, gerne erinnern wir uns an sie, an Anekdoten, an gemeinsame Erlebnisse, ans gemeinsame Arbeiten ebenso wie ans gemeinsame Feiern. Heute denken wir besonders an

Manfred Gerber, Otto Eglmeier, Gerda Hartmann und Erich Roos

Anerkennung ist eine Pflanze, die nur auf Gräbern gut gedeiht

Der Sarkasmus, der aus dem Zitat schwingt, entspringt vielleicht auch dem Irrglauben, dass Anerkennung immer in Worten ausgesprochen werden müsste. Anerkennung drückt sich aber genauso aus in Gesten, in Blicken, im respektvollem Umgang miteinander. So betrachtet, steckt unsere lebendige Gemeinschaft voller gegenseitiger Anerkennung.

Der gute Umgang miteinander, das anerkennende Schulterklopfen, die freundschaftlichen, die begeisternden Blicke, ein inniger Händedruck und nicht zuletzt auch der hohe Grad an Gemeinsinn in unserer Gemeinschaft strafen dieses landläufige Sprichwort lügen.

So stehen wir heute hier, weil wir uns gerne an unsere, uns vorausgegangen Mitstreiter erinnern. Wir wollen sie uns ins Gedächtnis rufen, so wie wir sie erlebt haben und wir wollen nun, gemeinsam für sie beten:

Vater unser …


 

Totengedenken 2014

Liebe Freunde,

wir treffen uns heute wieder, es ist unser jährliches Treffen am Grab von Walter Zänglein.
Wir wollen damit ein Zeichen setzen. Ein Zeichen, das uns allen, vor allem für unsere Faschingsgemeinschaft, aber auch nach außen hin zeigt, wie wertvoll uns Gemeinschaft, wie wertvoll uns ein gelungenes Miteinander ist.

Nietzsche hat einmal gesagt:
Schön ist´s miteinander lachen, schön ist´s miteinander schweigen.

Das beschreibt, so meine ich, ganz gut was uns derzeit, neben all dem lustigen Faschingstrubel in und um die Stadthalle herum, bewegt. Uns aber auch gleichzeitig hier her finden lässt.
Eine Gemeinschaft, ein echtes Miteinander lebt nicht nur von der Gaudi, vom Riesenrummel alleine.
Es bestimmt nicht nur das oberflächliche laute Lachen und Schulterklopfen das Schöne! Ein wahres Miteinander zeigt sich auch im miteinander schweigen, im für einander da sein und ganz bestimmt auch im Aneinander denken.

Die Schwarze Elf lebt nun schon seit 60 Jahren. Eine wahre Leistung für einen Faschingsverein. 60 Jahre und wie wir uns heuer im Motto selbst bestätigt haben: ´S wird immer schönner!

Es wird schöner, aber bestimmt nicht weil wir uns jährlich alle lauthals und lustig um den Hals fallen. Nein, ich meine das Geheimnis unserer Gemeinschaft liegt viel tiefer. Von Anfang an hat ein christliches Familienbild mehr oder weniger direkt unsere Gemeinschaft geprägt. Begleitet von den Ideen und Gedanken Adolf Kolpings.
Dazu gehört es auch, die Gemeinschaft in christlicher Hoffnung abzurunden; sich an die Menschen erinnern, sich bei den Menschen bedanken, die uns diese Gemeinschaft geschaffen und die uns in dieser Gemeinschaft begleitet haben.
Nicht einfach vergessen, wer nicht mehr da ist, sondern vielmehr an alle diejenigen denken, die uns genau dieses familiäre Denken in die Wiege gelegt haben.

Lasst uns deshalb an unsere verstorbenen Wegbegleiter denken, und ihnen im Gebet danken, dass wir heute hier sein können.

Beten wir gemeinsam: Vater unser …


 

Totengedenken 2013

Wir haben uns, wieder einmal, hier versammelt um denen aus unserer Gemeinschaft zu gedenken, die schon gestorben sind, die wir gekannt haben, die wir schätzten, mit denen wir ein Stück Lebensweg gemeinsam gegangen sind. Besonders wollen wir dieses Jahr an Sepp Keller denken, der uns erst im Dezember verlassen hat. An seinem Geburtstag hat sich sein Lebenskreis geschlossen, eine besondere Form der Gnade, die ihm zuteil wurde.

Wir sprechen zwar aus, „wir wollen bestimmten Personen gedenken“, aber wie macht man das? Wie denkt man an einen Menschen? Wie funktioniert bei uns das Erinnern? Wir erinnern uns in Bildern, wie wir den Menschen gekannt haben, an Gefühle, an Empfindungen, wir erinnern uns an Situationen, an Momente des gemeinsamen Lebens, schöne Momente die uns im Gedächtnis geblieben sind.

Wenn wir also unserer Verstorbenen gedenken wollen, müssen wir all das bereits zu Lebzeiten gesammelt haben. Momente, mit unseren Lieben, Gefühle die wir mit Ihnen teilten, Empfindungen die wir gemeinsam auf uns haben einwirken lassen. Wir müssen zu Lebzeiten Wert legen darauf gelegt haben, gemeinsame Momente zu sammeln, die wir als Erinnerungen abspeichern, die wir schätzen, Momente auf die wir im Falle des Gedenkens zurückgreifen, wenn wir uns seiner wertvollen Lebensbegleitung erinnern wollen. Das bedeutet aber feinfühliger zu werden, offen zu werden, diese Momente in unserem täglichen Miteinder zu erkennen und zu behalten. Von Josef Keller z.B. sind mir ein besonderes gemeinsames Gespräch und das Bild von ihm, in der Stadthalle zufrieden am Fenster des Balkons sitzend geblieben. Es ist schön und tut gut, wenn man auf solche Bilder zurückgreifen kann und letztendlich ist es das was unser Leben bestimmen sollte, gute Momente mit unseren Mitmenschen zu sammeln. Die Bibel bei Matthäus drückt es so aus:

„Sammelt nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt Euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo Dein Schatz ist, da ist auch Dein Herz.“

Wollen wir jetzt in einem Moment der Stille versuchen uns einiger Schätze zu erinnern, die wir gemeinsam mit unseren Verstorbenen teilen:

  • Momente des gemeinsamen Arbeitens
  • Momente des miteinander Feierns
  • Bilder, die uns nicht nur im Gedächtnis, sondern die uns in der Seele haften geblieben sind

Das ist vielleicht der Fingerzeig der Verstorbenen an uns, zu Lebzeiten Schätze zu sammeln, die unsere Zeit überdauern, dass wir bereits zu Lebzeiten mehr Wert auf das legen, was bleibt, wenn „Motte und Wurm“ ihre Arbeit verrichtet haben. „Denn wo Dein Schatz ist, da ist auch Dein Herz“. Machen wir unsere Herzen bereit für die wahren Schätze unseres miteinander lebens. So wollen wir gemeinsam beten:

Vater unser im Himmel….

 


Josef Keller

Am 18. Dezember 2012, am Morgen seines 93. Geburtstages, starb, unser ehemaliger Gesellschaftspräsident Josef Keller.

Viel Zeit ist seit seiner Präsidentschaft vergangen. Nur wenige der nachgewachsenen Generationen kannten ihn. Aber wir, diejenigen seiner Generation, kannten und schätzten ihn.

Sepp Keller und ich haben über zwei Jahrzehnte zusammengearbeitet. Ich erinnere mich gerne an diese Zeit.

Was uns verband war die Weltsicht und viele gemeinsame Interessen. Gemeinsam war uns auch die Auffassung, dass an Fastnacht nicht alle Normen über Bord geworfen werden müssen, Unterhaltung auch ohne Schlüpfrigkeiten möglich ist und man nicht immer dem Zeitgeist folgen muss - was uns unterschied war das Temperament und - um ein Wort Walther Zängleins zu gebrauchen - das „Plapprement“. Ging Sepp mit Worten eher sparsam um, war ich weit großzügiger. Dies führte mich zwangsläufig ins Amt des Sitzungspräsidenten.

Ich erinnere mich noch gut an jenen Herbstabend im Kolpinghaus, es muss Ende 1968 gewesen sein. Schauplatz für unsere Sitzungen war inzwischen die Stadthalle. Der damalige Präsident Herbert Heidrich hatte eine kleine Runde zusammengerufen, darunter auch Nichtfastnachter Sepp Keller. Herbert eröffnete uns, dass der Schritt der Schwarzen Elf in die große Öffentlichkeit eine Arbeitsteilung notwendig mache. Deshalb solle Sepp Keller künftig als Gesellschaftspräsident für die Organisation zuständig sein, er, Heidrich, als Sitzungspräsident für die Programmgestaltung.

Sepp Keller wurde Gesellschafspräsident. Der stets abwägend und analytisch Denkende erkannte schnell Schwächen und Defizite, erarbeitete eine Satzung für die bislang eher locker gefügte Untergruppe der Kolpingsfamilie. Durch die steigenden Besucherzahlen entwickelte sich die Schwarze Elf mehr und mehr zu einem kleinen Wirtschaftsunternehmen, das Sepp Keller unaufgeregt und mit sicherer Hand führte.

Das Programm verfolgte er stets von oben, vom zweiten Fenster der Gaststätte aus, mit unbewegtem Gesicht. Was ihm nicht gefiel sprach er an. Direkt und ohne Schnörkel. Gute Leistungen lobte er. Aber ohne aus dem Häuschen zu geraten. Ein knappes „Das war gut“ kam einem Ritterschlag gleich. Und wenn sich der ganze Saal vor Lachen bog, huschte bestenfalls ein leichtes Lächeln über seine Züge. Sepp Keller, der das Rampenlicht scheute, war kein Mann des lauten Lachens, der lauten Töne. Trotzdem war er ein Mensch, der sich herzlich freuen konnte. Doch nur wenn ihm niemand dabei zusah.

Als er nach über zwei Jahrzehnten das Amt in jüngere Hände legte, hatte er sich um unsere Gesellschaft verdient gemacht. Er blieb der Schwarzen Elf verbunden, doch seine Besuche wurden im Laufe der Zeit seltener. Schließlich blieb sein Stammplatz am Fenster leer. Wir brauchten lange, bis wir uns daran gewöhnt hatten.

Sepp Kellers letztes Jahre waren beschwerlich. Doch wurden sie gemildert durch die liebevolle Zuwendung seiner Frau Maria und durch die geduldige Pflege und Betreuung der Töchter Elisabeth und Christiane.

Bei meinem letzten Besuch - wer konnte wissen, dass ihm nur noch zwei Wochen vergönnt waren - wirkte er sehr, sehr müde. Das Wort „Lebensmüde“ kam mir in den Sinn. Er erkannte mich nicht. Doch als ich mich zum Gehen anschickte, wurden seine Augen plötzlich wach und ich spürte Erinnerung. Genau so war es. Er rief, beinahe freudig über seine Erkenntnis: „Du bist doch der, der immer so herzlich gelacht hatt“! Dann haben wir beide gelacht, er leise, ich schallend, wie so oft auf dem gemeinsamen Weg.

Es war unser letztes gemeinsames Lachen.

Der liebe Gott hat unsrem Sepp nach einem langen und erfüllten Leben einen sanften Tod geschenkt. Vielleicht war das ein Dankeschön von ganz oben für sein Wirken in unserer Gemeinschaft und im Sinne Adolf Kolpings.

Hans Driesel


 

Totengedenken 2012

Liebe Freunde,

wir treffen uns heute wieder, wie jedes Jahr, um ein einmal gegebenes Versprechen einzulösen. Wir sind heute hier weil wir den Satz, „Wir wollen Ihnen ein ehrendes Gedenken bewahren" nicht als Formel, sondern als Versprechen verstehen. So haben wir uns getroffen, zu dieser, für unseren momentanen Lebensrhythmus frühen Zeit, an diesem, für unser momentanes Umfeld ruhigen Ort, in dieser, für die Aufgekratztheit unserer momentanen Gedanken meditativen Stimmung.

Jetzt gilt es für einen Moment inne zu halten und das fällt uns leichter in dieser Umgebung, die Ruhe ausstrahlt, am Grab eines unserer Freunde. Hier, wo uns die Patina an diesem schönen Grabstein mit dieser schönen Innschrift daran erinnert, dass nicht nur wir vergänglich sind, sondern dass auch nach dem Tod das Leben weitergeht.

Oft wird beim Tod eines Menschen unweigerlich die Frage gestellt nach dem Warum? Warum musste derjenige oder diejenige sterben? Aber ist das nicht die falsche Denkrichtung? Ist nicht diese Frage bereits mit oder durch unsere Geburt beantwortet? Der Tod ist durch die Geburt unweigerlich festgelegt, wir können uns ihm nicht entziehen.

Ist es nicht besser die Frage nach dem „Warum" zu Lebzeiten zu stellen? Warum leben wir ? Wozu sind wir auf dieser Welt? Ist es nicht besser zu Lebzeiten auf die Suche nach diesem Warum zu gehen, dann wenn ich noch suchen kann, dann, wenn die Antwort darauf auch noch Gutes bei meinen Mitmenschen bewirken kann.

Dann wenn ich durch meine Suche, durch mein Leben, meinen Mitmenschen zu Lebzeiten Antworten geben kann auf das Warum, dann wenn sie durch mein Leben durch mein Handeln merken: Darum ist jemand da, darum war jemand auf der Welt und darum kann ich dankbar sein, dass es ihn gab … und erspare mir dadurch die zu späte Frage nach dem Warum.

Unsere Mitstreiter haben durch die Freude, die sie durch ihr Tun und Mittun in unserer Gemeinschaft gegeben haben einen Teil dieses Warums für ihr Leben beantwortet. Ein Teil Ihres „Darum sind wie hier" haben sie uns, unserer Gemeinschaft, uns als Freunden, uns als guten Mitmenschen oder ganz einfach uns als Publikum, gegeben. An all dies, was sie uns gegeben haben, wollen wir uns gerne Erinnern, jetzt, hier und heute. An all das was sie getan haben, wie sie gelebt haben, wie sie uns als Freunde zu Seite standen.

Friedrich Rückert hat einmal einen wunderschönen Neujahrsgruß formuliert, den man durchaus auch als Lebenswunsch für alle Situationen setzen kann wo neu begonnen werden muss, wo es gilt mit Hoffnung Neues anzugehen:

Falsches werde wahr,
Trübes werde klar,
Nichtges sei zerstoben!
Und ein neues Jahr
Sei uns angehoben,
wie kein altes war!
(Friedrich Rückert)

So wollen wir in dankbarer Erinnerung für unsere Verstorbenen beten:

Vater unser...


Totengedenken 2011

Froh und glücklich machen, trösten und erfreuen, ist im Grunde doch das Glücklichste und Beste, das der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann.
(Adolph Kolping)

Ein Stück von dem, was Adolph Kolping mit den ihm eigenen, etwas holprigen Worten beschreibt, dürfen wir dieser Tage erleben. Jeden Abend bei unseren Sitzungen stellen wir fest, wie nach und nach die Menschen ihre noch mitgebrachten Sorgen des Alltags vergessen, wie sie mehr und mehr loslassen und sich einem herzhaften, fröhlichen erfreuten Lachen hingeben.

Lachen verbindet

Wenn Fremde sich in einem Lachen begegnen, wenn auch keiner des anderen Sprache spricht, so können sie doch gemeinsam über das gleiche Lachen

Lachen vereint

Gemeinsames Lachen ist ein Gemeinschaftserlebnis der besten Art, es wird zu einer gemeinsamen Sache all derer, die sich über etwas freuen, es schafft Gemeinschaft

Lachen stellt blos

Oft ist es das gemeinsame Lachen, das bisweilen die Belanglosigkeit und Nichtigkeit von Dingen blos stellt, denen wir viel zu viel Bedeutung beigemessen haben

Lachen versöhnt

In einem gemeinsamen Lachen fällt es uns leichter den ersten Schritt auf dem Wege einer Versöhnung zu gehen, lächelnd zurückzutreten von festgefahrenen Standpunkt

Das Lachen scheint uns ein klein wenig, wie ein winziges Mosaiksteinchen, zu zeigen wie es in einer Welt nach dem Tod aussehen könnte, ein Stück positiv gleichmachendes das Grenzen verwischt und Frieden schafft.

Aber es ist uns nicht immer zum Lachen.

Es gibt Momente, da wird es kalt, auch wenn die Sonne scheint, eisige Kälte die uns ergreift, wo uns das Lachen erstirbt.

Wenn gute Freunde uns verlassen,

Froh und glücklich machen, trösten und erfreuen, ist im Grunde doch das Glücklichste und Beste, das der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann.

In diesem Jahr besonders gefordert als Tröster beim Tod unserer Freunde Rolf Rüger und Wolfgang Lieblein, Martin Weber und unseres Ehrensenator Fritz Hermann.

Sie alle haben, jeder auf seine Weise und mit ihren ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln mitgeholfen, Lachen zu schenken, Mosaiksteinchen der Freude in Lebensbilder zu setzen.

Es gibt Momente, da wird es kalt, auch wenn die Sonne scheint

Für uns ist es Kälte, eisige Kälte trotz Sonnenschein. Sie haben die Kälte überwunden. Ihre Welt ist beseelt von ewigem Sonnenschein, von dem friedlichen, glücklichen Zusammensein, das wir uns Mitmenschen nur stückchenweise zu geben vermögen weil wir uns zu sehr von oberflächlichen Dingen ablenken und vereinnahmen lassen.

So können uns diese Minuten des Nachdenkens in zweierlei Hinsicht helfen. Zum einen erfüllen wir unser gern gegebenes Versprechen das Gedenken unserer Verstorbenen Mitstreiter, deren wir uns gerne erinnern zu wahren. Zum anderen können wir für uns, für unser tägliches Miteinander daraus lernen und mitnehmen was Adolph Kolping uns gesagt hat:

Froh und glücklich machen, trösten und erfreuen, ist im Grunde doch das Glücklichste und Beste, das der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann.

In dieser Zuversicht beten wir: Vater unser...


Totengedenken 2009

Oft geht es uns so, dass man während oder nach der Saison sagt, dies hätte man tun können, das wäre gut gewesen, jenes hätte gepasst. Aber es macht nichts, nächstes Jahr ist auch noch eine Kampagne, man kann es ja dann noch nachholen, auch dann noch ausprobieren.

Mit den Menschen ist es anders. Wenn wir eine Freundin, einen Freund einen Mitstreiter verlieren, dann haben wir nicht mehr die Möglichkeit etwas nachzuholen.

Eine gutes Wort für ihre Leistungen …
Eine Anerkennung für sein Bemühen…
Eine Geste des Entgegenkommens in einem Streit….
Ein Zeichen der Versöhnung wo tiefe Gräben sind…..

Warum tun wir es nicht einfach, warum ist es für uns Menschen so schwer den ersten Schritt zu gehen ? Warum rufen wir dies alles erst „nach", wenn wir am Grab stehen ? Warum erst, wenn der oder die andere sich bereits dort befindet, wo unsere menschlichen Regeln außer Kraft gesetzt sind, wo sie oder er längst diese Größe erreicht haben, der wir hier auf Erden so unzulänglich hinterherstolpern?

Vielleicht ist es gerade dieses , was uns beim Gedenken an unsere Verstorbenen bewusst werden soll. Vielleicht ist es am Ende gar nicht so, dass wir hier für die Verstorbenen etwas tun, sondern dass sie uns, den Lebenden, hier die viel größere Botschaft zu geben haben als wir Ihnen je hinterherrufen können.

Lieber Gott…

Nicht immer herrscht Freude
- Manchmal will uns die Traurigkeit erdrücken
Nicht immer herrscht Freundschaft
- Manchmal hat uns die Gleichgültigkeit im Griff
Nicht immer tun wir das Richtige
- Manchmal lassen wir das Nötige unbeachtet liegen

Wäre es nicht das beste Totengedenken,
wenn wir das, was wir Ihnen nicht mehr geben konnten anderen zuteil werden lassen?
Wäre es nicht die beste Ehrung der Toten,
wenn wir das Gute, was wir bei Ihnen versäumt haben, bei der nächsten Gelegenheit nachholen?
Wäre es nicht die größte Anerkennung für unsere Verstorbenen,
wenn wir die kleinen Gesten der Versöhnung, auf Erden, bei den Lebenden, praktizieren?

Wie mehr könnten wir sie Ehren, als durch die ersten Schritte, die wir anderen entgegengehen, weil bei Ihrem weggehen uns so viel Versäumtes bewusst wurde?
Vielleicht ist es nur ein Traum, vielleicht sind es nur die Frühe der Stunde, die Kürze des Schlafes, die einem auf solche Gedanken bringen, vielleicht ist es nur ein Traum?

Im Gedicht heißt es:

Solange wir Träume haben, leben wir.
Solange wir leben, geben uns Träume Hoffnung.
Solange es Hoffnung gibt, haben wir keine Angst vor der Zukunft.
Die Zukunft liegt in unseren Händen.
Träumen wir sie nicht nur, sondern erleben wir sie.
(© 2000 Petra Heierhoff)

Nicht wo der Himmel ist, ist Gott, sondern wo Gott ist, ist der Himmel,

So wollen wir gemeinsam für unsere Gemeinschaft, die Gemeinschaft der Lebenden und Verstorbenen beten:

Vater unser…


Totengedenken 2008

Was dich im Nachhinein quält
Laß es sein.
Was du sein willst
Liegt vor dir.

(Theresia Hauser)

Wir sind auch heute wieder zusammengekommen um einen Moment innezuhalten, um außerhalb des Trubels der uns unweigerlich in dieser Zeit umgibt derer aus unserer Gemeinschaft zu gedenken, die uns in unserem Lebensweg vorausgegangen sind. Ich finde es auch schön und angemessen, in welcher Form wir dies tun. Ohne den Pomp des Faschings, ohne das Laute, ohne dass irgendwer im Vordergrund steht oder sich in den Vordergrund stellt. Am Ende, irgendwann, werden wir, wie unsere Freunde derer wir gedenken, nichts mitnehmen von all den Äußerlichkeiten, doch trotzdem werden wir etwas dabei haben, das uns an diese Zeit erinnert. Die vielen guten Freundschaften in unserer Gemeinschaft, das Bewusstsein, vielen Freude bereitet zu haben. Der heilige Augustinus hat es einmal so gesagt:

Die Seele nährt sich von dem woran sie sich freut

Jemandem tiefe, wahrhaftige Freude zu bereiten, Nahrung für die Seele zu sein, was kann es schöneres geben ? Unsere Freundinnen und Freunde an die wir uns in diesem Moment erinnern, haben hierzu ihren Teil beigetragen, jeder und jede an ihrem Platz. Das muss nicht auf der Bühne sein. Eine helfende Hand, wenn die Arbeit ruft, ein ausgleichendes Wesen, wenn Streit eine Freundschaft bedroht, ein unterstützendes Gespräch, wenn die Belastung droht einem zu erdrücken.

Nahrung für die Seele kann so vielfältig und abwechslungsreich sein wie Nahrung für unseren Körper, Nahrung für die Seele tritt in so vielen Varianten auf, wie die dicksten Kochbücher sie nicht beschreiben können.

So richten wir uns heute mit unserem Gebet und unseren guten Wünschen an die Seelen unserer verstorbenen, in der Gewissheit, dass etwas bleibt von dem was Freude und Freundschaft ausmacht, dass es auch, in welcher Form auch immer, Verbindungen über den Tod hinaus gibt, die sich gegenseitig Nahrung sein können.

So wollen wir mit den Segensworten aus dem heutigen Gottesdienst von Roland und Stefan wünschen und beten in der Gemeinschaft der hier und dort Lebenden:

Der Ruf Gottes komme dir heute entgegen: in einem Lächeln, in einem guten Wort, in einem ermutigendem Blick, in einer hilfreichen Hand, in einer liebevollen Umarmung, in einem tiefen Schweigen.

Vater unser...


Totengedenken 2007

„Sie oder Er ist mit Herzblut dabei“ ein Ausspruch den man immer dann hört, wenn jemand mehr gibt als man als reine Arbeitsleistung erwarten würde. Das nüchterne Maß dessen, was zu leisten ist wird übertroffen, nicht messbar, aber fühlbar. Herzblut wird nicht gemessen, entweder man spürt es oder nicht, es gibt hier kein dazwischen. Gerade in unserer Gemeinschaft meine ich dieses Herzblut sehr oft zu verspüren. Einsatz nicht nur mit den Händen, Einsatz mit dem Herzen. Einsatz der freiwillig gegeben wird, der auf keiner Schuldentafel steht, Einsatz der keine Pflicht ist, aber trotzdem Jahr für Jahr vorbehaltlos gegeben wird.  Freundschaften die bestehen, nicht weil man sich mit langen, floskelhaften Worten der Treue und Freundschaft verpflichtet, sondern weil man sich ohne Worte so gut versteht, weil die Wellenlänge passt, ohne dass es eines äußeren Zwanges bedarf.

Die Signale des Herzens schlagen im gleichen Rhythmus, das Gesamte, die Gesamtheit unserer Gemeinschaft ist mehr als die sachliche Summe der Einzelheiten, der Einzelkräfte, der einzelnen Taten. Vom Fußball her ist bekannt, dass eine Ansammlung von Stars noch keine Mannschaft bildet. Erst das Team, der Teamgeist macht den Erfolg aus.

Wir haben Teamgeist, wir haben Herzblut.

Ähnlich haben Roland und Stefan es in einem ihrer letzten Sonntagsgottesdienste in der Meditation mit den Worten Laotses sehr treffend wiedergegeben:

Pflicht ohne Liebe macht verdrossen,
Wahrheit ohne Liebe macht kritiksüchtig,
Erziehung ohne Liebe macht eng,
Klugheit ohne Liebe macht gerissen,
Verantwortung ohne Liebe macht einseitig,
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart,
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch,
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich,
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch,
Macht ohne Liebe macht gewalttätig,
Ehre ohne Liebe macht gierig,
Besitz ohne Liebe macht geizig,
Glaube ohne Liebe macht fanatisch.

Gerade weil wir die Liebe, weil wir das Herzblut, weil wir den Teamgeist haben, trifft es uns auch schwer, wenn jemand aus dieser Gemeinschaft uns verlassen muss. Im letzten Jahr waren dies unsere Mutter Luise Paul und der erst letzte Woche verabschiedete Josef Kronewald. Sie haben uns verlassen und sind einen Weg gegangen, von dem wir zwar überzeugt sind, dass er ins Gute, ins Licht führt, von dem wir aber auch wissen, dass wir ihnen nicht folgen können. Wir müssen sie dorthin alleine entlassen. Was wir aber tun können ist beten. Zum Beispiel in Form dieses alten irischen Segenswunsches:

Den tiefen Frieden
Im Rauschen der Wellen wünsche ich Dir
Den tiefen Frieden
Im schmeichelnden Wind wünsche ich Dir
Den tiefen Frieden
Über dem stillen Land wünsche ich Dir
Den tiefen Frieden
Unter den leuchtenden Sternen wünsche ich Dir
Den tiefen Frieden
Vom Sohne des Friedens wünsche ich Dir

So wollen wir in der Gewissheit, dass unsere Bitte, unser Segen, die Verstorbenen erreicht gemeinsam beten:

Vater unser...


Totengedenken 2006

Wie jedes Jahr haben wir uns hier versammelt, um unserer Toten zu Gedenken. Der raue Wind, die Kargheit des Winters und die, zumindest für uns in der Faschingszeit, frühe Stunde, lassen jeden von sich aus nachdenklich und in sich gekehrt werden.

Diese Minuten des Gedenkens stehen im krassen Gegensatz zu dem lustigen, lauten Treiben, das wir aus den letzten Tagen gewohnt sind.

Aber gerade dies ist das Gute daran: Mitten im Trubel die nachdenkliche Zeit, mitten im Lärm die Auszeit der Stille, mitten im oft oberflächlichen Treiben die Tiefe der Gedanken.

Ich denke, es ist gut so, dass wir diesen Zeitpunkt gewählt haben und nicht einen, der besser „passen“ könnte. Denn auch unsere Verstorbenen hatten nicht die Wahl des anscheinend passenden Augenblicks. Gerade im letzten Jahr mussten wir dies schmerzhaft erfahren. Und doch sehen wir als Christen auch dies vielleicht mit etwas anderen Augen.

Hannelore Frank drückt es so aus:

Hoffnung-
Das Vertrauen, dass noch etwas kommt,
fast gegen die Vernunft
und sämtliche Erfahrung.

Hoffnung-
Das Vertrauen, dass Gott handeln wird
Und uns nicht aufgibt,
nicht einmal im Augenblick des Todes.
Wenn es einen Grund gibt,
fröhlich jeden Tag zu leben
- leichten oder schweren Tag, gleichviel -,
dann diese Hoffnung.
Eine andere kenne ich nicht.

Ossi Osmanovic, Luba Kirici, Hubert Kirchner, Thomas Freckmann, Christian Kämpf.

Den Verstorbenen des letzten Jahres wollen wir besonders gedenken. Wir erinnern uns an sie, an ihre Herzlichkeit mit der sie uns begegneten; an ihre Gewogenheit, mit der sie uns beschenkten; an ihre Freudigkeit die sie auf uns übertrugen. Es sind selten die großen Taten, die uns in Erinnerung bleiben, sondern die Begegnungen im Kleinen.

Martin Buber sagt: „Hier wo wir stehen gilt es, das verborgene göttliche Leben aufleuchten zu lassen.“

Jeder war an seinem Platze für uns von Bedeutung, in vielen kleinen Dingen konnte man das göttliche Leben aufleuchten sehen. In dieser, auch über den Tod hinausgehenden dankbaren Verbundenheit, beten wir nun für alle unsere Verstorbenen, gemeinsam:

Vater unser...


Totengedenken 2004

„Der hat sein Leben am besten verbracht, der die meisten Menschen hat froh gemacht.“

Es ist normal und nicht ungewöhnlich, dass wir, noch dazu in dieser Jahreszeit, dabei eigentlich nur an den Fasching denken. Richtig ist es natürlich, denn unser Fasching, er soll den Menschen Freude, er soll sie ein Stück froh machen. Vergessen sollten wir dabei aber nicht, dass dies nicht nur im Fasching, nicht nur mit dem Bühnenerfolg zu machen ist. Menschen froh machen können wir auch innerhalb unserer Gemeinschaft, ohne dass wir auf der Bühne stehen, ohne dass wir den Bühnenerfolg an die oberste Stelle rücken. Oft können wir das eher durch das Gegenteil erreichen, nämlich gerade dass wir zugunsten eines Menschen auf den großen Erfolg verzichten, dass wir Schwächen akzeptieren und manchmal auch bewusst in Kauf nehmen, weil wir dadurch einen Menschen froh machen. Weil sich dieser Mensch freut dabei sein zu dürfen, auch wenn er keine Höchstleistung vollbringen kann.

Wir können Menschen froh machen, indem wir uns nicht mit zwischenmenschlichen Reibereien belästigen lassen, indem wir nachgeben, übersehen und Unzulänglichkeiten verzeihen. Der Gewinn den wir dabei erzielen ist um ein vielfaches höher als der, den wir hätten, wenn wir aus einer Prinzipienreiterei als vermeintlicher Sieger hervorgehen.

Wenn wir auf diese Art und Weise vorgehen, wenn wir so Menschen froh machen, im täglichen Umgang miteinander, dann ergibt sich vieles wie von alleine, dann entsteht echte Gemeinschaft, dann wächst Freundschaft.

Wir haben und hatten in unserer Gemeinschaft beide Sorten von Frohmachern, die auf der Bühne und auch die hinter der Bühne. Freunde zu deren Gedenken wir heute morgen hierhergekommen sind, um die Verstorbenen nicht zu vergessen, und um für uns klar zu machen, dass es zwischen all dem vordergründigen auch andere, wichtigere Dinge gibt.

Martin Luther hat gesagt:
Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, dass er tausendmal dafür sterben würde. Und solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich, trotzig und lustig gegen(über) Gott und alle Kreaturen; das wirkt der heilige Geist im Glauben.

Im Vertrauen auf diese Gnade Gottes, auf das wirken des Geistes auch unter uns beten wir:

Vater unser...


Totengedenken 2003

Wir sind heute hier, um nach gutem Brauch, während der Faschingskampagne, unserer verstorbenen Mitstreiter und Helfer zu gedenken. Wie gesagt, nach gutem Brauch und nicht etwa aus Gewohnheit, ein feiner, doch wichtiger Unterschied. Dabei soll niemand besonders herausgehoben werden, keine Taten im besonderen gewürdigt, werden, denn man würde den Verstorbenen schwerlich gerecht werden können. Denn, die Auswahl der Personen, die Auflistung der Leistungen, sie könnte nie richtig und vollständig sein, denn mehr als in jedem anderen Verein wird bei uns Arbeit im Stillen, im Hintergrund gemacht, ohne großes Aufhebens, vieles ohne dass je ein anderer davon erfährt.

Deshalb wollen wir im Gedenken an die Toten nicht für die Einzelleistung danken, sondern für den Geist, den sie uns vermittelt haben, der unsere Gemeinschaft prägt. Den Geist der Freude am Freude bereiten, dem Geist des Einsatzes für die Sache und dem Geist der Freundschaft und des Zusammenhalts.

Schwarze Elf ist mehr als ein Verein, es ist eine Einstellung.

Diese haben unsere Verstorbenen mitgeprägt oder zumindest mitgetragen, das eine so wichtig wie das andere, jeder wie es ihm seine ihm mitgegebenen Fähigkeiten gestatteten. So stehen wir hier, um daran, und unserer Verstorbenen zu gedenken.

Ich denke hier besonders an Herbert Heidrich, der uns im letzten Jahr verlassen hat. Beim Besuch zu seinem 70. Geburtstag war dieser Geist deutlich zu spüren. Ohne dass man je zusammen mit ihm auf der Bühne, oder sonstige Dinge gemeinsam gemacht hätte, fühlte man sich einig, zusammengehörig, als hätte man all die Zeit gemeinsam erlebt.

Wir dürfen dabei ruhig ernst sein. Wir müssen nicht zwanghaft lustig sein. Wir sind zwar eine Spaß machende, jedoch keine „Spaßgesellschaft“.

Nur wer traurig sein kann. Kann auch lachen, nur wer Trauer fühlt kann auch Freude empfinden.
Nur mit Gefühl, mit Fühlsamkeit, werden wir andere verstehen.

So dürfen wir guten Gewissens hier stehen, um in der kalten Winterluft, in der kargen Landschaft unsere Gedanken zu ordnen, eingedenk unseres daseins, um im Vertrauen auf Gott zu beten:

Vater unser...


Totengedenken 2002

Wie seit bereits vielen Jahren sind wir auch heute zusammen gekommen, um derer zu gedenken, die vor uns den Weg ins Reich Gottes gegangen sind, die, wie wir jetzt, ihren festen Platz in unserer Gemeinschaft hatten, nun aber von Gott abberufen sind.

Die Einfachheit, die Schlichtheit der Umgebung im Winter, reduziert auf das karge Notwendige, kann für uns Symbol und Anlass sein uns daran zu erinnern, aus welchem Geist wir leben, aus welchem Geist auch unsere Gemeinschaft leben sollte.

Nicht das Laute, das Vordergründige sollte zählen, sondern der tiefere Zusammenhalt durch Freundschaft,
die hilft,
die vertraut,
die verzeiht und
die den anderen so annimmt, wie er ist.

Dieser von Gott gegebene und von Jesus Christus vorgelebte Geist des guten Miteinanders, er ist es, der uns in der Gegenwart, im Leben verbinden sollte, er ist es auch, der uns die Verbindung zu unseren Toten schafft, der uns ihrer alljährlich gedenken lässt.

So beten wir voller Hoffnung:

Gott du bist es auf den wir unsere Hoffnung setzen. Du hast durch Leben, Tod und Auferstehung deines Sohnes die Welt erneuert. Von daher bekommt unser Leben Sinn und Richtung. So erwarten wir für uns und unsere Verstorbenen Vergebung, Heil und künftige Herrlichkeit. Hilf uns in dieser Hoffnung zu leben.

So wollen wir zum Schluss gemeinsam beten:

Vater unser...


Totengedenken 2000

Wenn ein Mitglied eines Vereins oder einer Gemeinschaft verstirbt, dann ist oft der Satz zu lesen oder zu hören:"Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren". Ich möchte nicht in Frage stellen, dass dies nicht ehrlichen Herzens auch so gemeint ist, aber der Alltag, das Zurückfallen in die Routinen, das sogenannte "The Show must go on" verdrängt oft die ehrlich gemeinten Wünsche.

Ich bin deshalb froh, dass wir in unserer Gemeinschaft mit dem Besuch am Grabe Walter Zängleins ein Ritual, einen Brauch, einen guten Brauch gegen das Vergessen gefunden haben. Es geht dabei nicht um Glorifizierung und es geht nicht darum in der Vergangenheit festzuhängen. Es geht bei unserem morgendlichen Gedenken einfach um die schlichte Erfüllung des ehrlichen Herzens gesprochenen Satzes "Wir werden Ihnen ein ehrendes Andenken bewahren".

So wollen wir dankbar all jener aus unserer Gemeinschaft gedenken, die in Frieden von uns gegangen sind. Vorbilder, Freunde, Bekannte, vielleicht auch nur Namen, von denen wir aber sicher wissen, dass jeder seinen ihm möglichen Teil dazu beigetragen hat, anderen eine Freude zu bereiten, anderen die Kraft eines glücklichen Momentes zu schenken.

So wollen wir im Vertrauen auf Gott und unseren christlichen Glauben, gemeinsam für und mit unseren Verstorbenen beten:

Vater unser...


Andacht am Grab von Walter Zänglein in Oberwerrn

 

© Heinrich A. Stöcker 1998-2016